Volker Kauder ist als CDU-General wieder gewählt und möchte Kanzleramtsminister werden.
Als Sonntagmittag gegen 13 Uhr das Licht in der Dortmunder Westfalenhalle erlosch und eine Queen-Coverband einen Klassiker der Bombastrocker anstimmte, war der riesige Saal noch halb leer. Der CDU-Generalsekretär saß ganz allein vorn in der ersten Reihe und lauschte. Er liebt Queen, er hat die Coverband als Einheizer eingeladen. Kauder schloss die Augen und inhalierte die Musik, als sei sie eine geheime Kraftquelle für die verbleibenden 16-Stunden-Tage bis zum Wahlabend am 18. September.
In solchen Momenten ist Volker Kauder ganz Volker Kauder. Nicht der Wadenbeißer, der den politischen Gegner attackiert, sondern der in sich Gekehrte, der Parolen und Umfragewerte einmal für eine halbe Stunde vergisst.
Drei Stunden später wählte ihn der Parteitag erneut zum CDU-Generalsekretär. Kauder erhielt 726 von 742 möglichen Stimmen. 97,8 Prozent, ein Traumergebnis.
Neuer General gesucht
Dennoch wird sich die CDU bald einen neuen General suchen müssen, denn Kauder hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er nach einem Wahlsieg gern Kanzleramtsminister werden würde. Und da Angela Merkel viel von dem 55-Jährigen hält, dürfte sein Wunsch - so der Wähler dies ermöglicht - in Erfüllung gehen.
Merkel hat Kauder viel zu verdanken. Nicht obwohl, sondern gerade weil ihre Beziehung 2001 mit einer Demütigung für die CDU-Chefin begann. Es war Kauder, der Merkel damals die Botschaft überbrachte, dass sein baden-württembergischer Landesverband auf Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten setzt. Die Parteichefin war geschockt - aber auch fasziniert. Denn Kauder vermied jeden Anflug von Häme. Nach der Wahlniederlage im Herbst 2002 machte Merkel Kauder zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Plötzlich war der ehemalige Stoiber-Fan einer ihrer wichtigsten Verbündeten. Loyalität geht für Kauder noch über Überzeugungen.
Schlagkräftiges Team
Dass beide heute ein schlagkräftiges Team sind, liegt auch daran, dass sie so verschieden sind. Hier die vergleichsweise liberale Protestantin mit Ost-Biografie, die für den Abschied der CDU vom 20. Jahrhundert steht. Dort der konservative Badener mit Stallgeruch, der sich mit 16 bereits verbale Schlachten mit den Jusos lieferte.
Volker Kauder liebt Hauptsätze, ins "Schwätze", wie es in seiner Heimat heißt, gerät er selten. Der frühere Vizelandrat von Tuttlingen, der mit einer Ärztin verheiratet ist, passt damit in eine Zeit, in der viele Bürger tatkräftige Arbeiter suchen, die tatkräftig anpacken, um die Lethargie und das Lamento der Deutschen zu überwinden.
Für das Kanzleramt, jenes Scharnier zwischen Fraktion und Regierung, wird Merkel kaum einen Besseren finden: Wer Kauder im Haus habe, sagte jüngst ein ehemaliger Vorgesetzter des Generals, kann beruhigt auch einmal das Haus verlassen.