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Merken   Drucken   03.07.2008, 12:35 Schriftgröße: AAA

Vorgetäuschter Selbstmord: 23 Tage im Leben von Samuel Israel

Hedge-Fonds-Manager und Betrüger: Samuel Israel verließ erst das Investmentglück, dann seine Frau - und abschließend die Vernunft: Er täuschte Selbstmord vor, die Polizei startete eine internationale Suche. Jetzt hat er sich den Behörden gestellt - auf Druck seiner Mutter. von Tobias Bayer und Sebastian Bräuer
Am Ende sind alle Männer Söhne einer Mutter. Seit Tagen stand Samuel Israels Mutter mit der Polizei in Kontakt, sie überredete ihren Sohn schließlich per Mobiltelefon, sich den Behörden zu stellen. Am Mittwoch war es dann so weit: Israel kaufte sich auf einem Campingplatz in Granville, Massachussetts, nach dem Joggen eine Packung Marlboro-Zigaretten, stieg auf sein Mofa und tuckerte ins nahegelegene Southwick - in einem blauen Nike-Shirt, grauen Shorts und Turnschuhen - und betrat dort um 9.15 Uhr Ortszeit das Polizeirevier.
Quicklebending wirkte der 48-Jährige, der vor genau 23 Tagen seinen Selbstmord vorgetäuscht hatte. Eine Polizeistreife fand damals an der Bear Mountain Bridge nördlich von New York einen auf Israel zugelassenen Wagen. Auf der Motorhaube stand "suicide is painless" - "Selbstmord ist schmerzlos", angelehnt an die Titelmelodie der US-TV-Serie Mash. Von der Bear Mountain Bridge hatten sich in den vergangenen Jahren mindestens vier Menschen in den Tod gestürzt. Doch so richtig trauten die Ermittler der Finte nicht. Kurz darauf wurde Israels Freundin Debra Ryan festgenommen - und sie plauderte aus, was alle vermuteten: Der Hedge-Fonds-Manager war nicht tot, sondern auf der Flucht.
Die US-Behörden glaubten nicht an einen Selbstmord Israels - wie ...   Die US-Behörden glaubten nicht an einen Selbstmord Israels - wie dieser Steckbrief zeigt
Mein Name ist "David Clapp"
Auf der Flucht vor einer mehrjährigen Gefägnisstrafe. Israel hatte sich im September 2005 schuldig bekannt, Anleger betrogen zu haben. Zusammen mit seinem Komplizen Daniel Marino hatte er bewusst falsche Angaben über den 1996 von ihnen gegründeten und 2005 geplatzten "Bayou"-Fonds gemacht und den Investoren Verluste in Höhe von rund 400 Mio. $ beschert. Finanziert hatte er sich damit einen luxuriösen Lebensstil: Ferraris und Traumapartments inklusive. Im Juni sollte er seine Haftstrafe antreten, 20 Jahre hatten ihm die Richter aufgebrummt. Dann brannten die Sicherungen durch.
Trickreich war der Finanzier aber bis zuletzt: Während ihn die Ermittler schon in Übersee wähnten, ließ er sich im nur 115 Meilen von New York entfernten Prospect Moutain Campground gutgehen. Unter dem Pseudonym "David Clapp" mietete er einen Standplatz, für 40 $ die Nacht. "Wir schöpften nie Verdacht", sagte der Campingplatz-Betreiber Mitch Hayes der Polizei. Das Campingplatz ist komfortabel: 225 Standplätze, geheizter Pool, Fischtümpel zum Angeln und ein Basketballplatz.
Die Last des bekannten Namens
Glaubt man Israels Angehörigen, ist sein Verschwinden auch einer problematischen Großvater-Enkel-Beziehung geschuldet. Der Großvater reüssierte als Kaffeeimporteur und verkaufte sein Handelsunternehmen schließlich an die Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette, die heute zur Credit Suisse gehört. "Wir alle standen unter gehörigem Druck, erfolgreich zu sein", schrieb Samuels Bruder Lawrence Israel Jr. an den Richter. "Samuel fühlte sich wohl besonders unter dem Zwang, im Geschäftsleben zu glänzen. Schließlich heißt er so wie der Großvater."
Vielleicht hat Israels Flucht auch etwas mit den Frauen zu tun. Seine Frau verließ ihn, der Hedge-Fonds-Manager schlitterte in die Sucht. Sein Bruder Lawrence schrieb: "Die Scheidung hat ihn über die Klippe gestoßen. Sie hat ihn etwas tun lassen, was er sonst niemals getan hätte".
  • FTD.de, 03.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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