Markus Klimmer wird ab dem Jahreswechsel als wirtschaftspolitischer Berater für den Herausforderer von Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) arbeiten. Entsprechende FTD-Informationen bestätigte die Firma am Dienstag. Der 44-jährige Partner der Unternehmensberatung leitet derzeit aus seinem Büro in Berlin die deutsche Sektion der Sparte "öffentlicher Sektor" von McKinsey mit rund 60 Beschäftigten. Mit Klimmer wirbt Steinmeier einen der in Deutschland angesehensten Experten für die Modernisierung öffentlicher Verwaltungen an.
Der promovierte Volkswirt und Politologe war etwa an dem Umbau der Bundesanstalt für Arbeit zur Bundesagentur für Arbeit oder der Sanierung der Berliner Verkehrsbetriebe beteiligt und berät international Spitzenbürokraten: etwa bei Privatisierungen, Public-Private Partnerships oder der Frage, wie Informationstechnologie in der Verwaltung besser eingesetzt werden kann. Entsprechend soll Klimmer Steinmeier vor allem bei sämtlichen Themen mit Ideen helfen, die die Rolle des Staates und der öffentlichen Verwaltung für die Wirtschaft berühren.
Klimmer lässt für Steinmeier seinen Job bei McKinsey ruhen und bekommt von der SPD lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung - eine "symbolische Entlohnung", wie es im Umfeld des SPD-Kanzlerkandidaten heißt. Ob Klimmer nach der Wahl im Herbst zu McKinsey zurückkehrt, ist offen. "Wir bedauern, dass er geht, wünschen ihm aber alles Gute", sagte eine Sprecherin.
Comeback für Jürgen Kluge
Sein Wechsel verhilft McKinseys ehemaligem Deutschlandchef zu einem Comeback: Jürgen Kluge wird Klimmers Job übernehmen. Der 55-Jährige hatte Ende 2006 seinen Posten an Frank Mattern abgeben müssen und war seitdem auf der Suche nach einem neuen Vollzeitjob. Mitte des Jahres war er kurzzeitig als Cheflobbyist der deutschen Energiebranche im Gespräch - zog dann aber seine Bewerbung zurück, weil ihm sein Durchgriffsrecht im Verband als zu gering erschien. Das Comeback Kluges als Spartenchef führt nun zu einer potenziell spannungsgeladenen Konstellation. Unter seinem Nachfolger Mattern waren zuletzt Zweifel an der Wachstumsstärke McKinseys aufgekommen, weil der neue Deutschlandchef die Veröffentlichung der Jahreszahlen eingestellt hatte. Schätzungen zufolge kam der deutsche Marktführer 2007 mit rund 2000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von 630 Mio. Euro.
Klimmers Schritt ähnelt dem des Investmentbankers Dirk Notheis im vergangenen Wahlkampf. Der Vorstand der Deutschlandtochter von Morgan Stanley ließ seinen Job einige Wochen ruhen, um der CDU-Kanzlerkandidatin Merkel zu helfen. Allerdings war Notheis' Rolle deutlich weniger zentral als die Klimmers bei Steinmeier.