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Merken   Drucken   20.01.2008, 10:30 Schriftgröße: AAA

Was den Manager der Zukunft ausmacht

Wer sich in einer neuen Position als Chef bewähren will, muss Führungsqualitäten entwickeln. Doch welche sind das? Zwei Business-Schulen sind in den vergangenen Monaten dieser Frage nachgegangen. von Sabine Meinert
Die niederländische Business School RSM Erasmus Universität beleuchtete das Thema vor allem vor dem Hintergrund: Kann man sich Führungsqualitäten "antrainieren"? Die Wissenschaftler in Rotterdam filterten sechs besonders wichtige Merkmale heraus, die eine Führungskraft der Zukunft auszeichnen:
  • Ethik
  • Vielfalt
  • Multikulturelle Erfahrung
  • Hightech-Versiertheit
  • Anpassungsfähigkeit
  • "Faktor X"
Laut den Forschern reicht es nicht aus, ein guter Geschäftsmann zu sein. Immer häufiger spielen auch ethische und moralische Kriterien im Geschäftsleben eine Rolle. "Die Sensibilisierung dafür steigt ständig", sagt Daan van Knippenberg, Professor für Organisational Behaviour an der RSM. "Die diversen Unternehmensskandale der 90er Jahre haben dazu beigetragen, das Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ethik zu schärfen."
Gleichzeitig müssten die neuen Chefs mit gesellschaftlicher Vielfalt umgehen können, sagt van Knippenberg. Teams bestehen zunehmend aus Mitarbeitern mehrerer Generationen, verschiedener Hautfarbe und unterschiedlichster kultureller Wurzeln.
Im Auge behalten: Wo, wie, mit wem
Außerdem müssen die "neuen Chefs" laut den Rotterdamer Wissenschaftlern ihr eigenes Verhalten an die regionalen Realitäten anpassen können. Ein Manager in Süddeutschland folgt anderen Gepflogenheiten als einer an der Nordsee - nicht nur bei der Frage, ob es nach Feierabend in den Biergarten oder zum Krabbenpulen geht. Der Umgang mit Geschäftspartnern in den USA ist ein anderer als der mit Zulieferern in Asien.
Bei einem internationalen Team muss der Chef auf kulturelle ...   Bei einem internationalen Team muss der Chef auf kulturelle Unterschiede achten
Der niederländischen Auflistung zufolge zählen zudem technologisches Know-how und Flexibilität besonders. Wer auf Veränderungen kompetent und schnell reagieren kann, punktet eher. Ein Extra-Pluspunkt ist zudem "das gewisse Etwas", der Faktor X, das charismatische Führungspersönlichkeiten besitzen. Den RSM-Forschern zufolge hängt dieser viel damit zusammen, sich jugendliche Eigenschaften zu erhalten. Für das Extra-Quäntchen Charisma, raten sie, das Kind in sich zu entdecken.
Bei Bewerbung besser aggressiv
Beim Sprung auf den Chefsessel sollte man allerdings anderen Kriterien den Vorzug geben. Eine Studie der Graduate School of Business (GSB) an der Universität von Chicago kommt zum Ergebnis: Wer sich um eine Führungsposition bewirbt und sich in der Auswahl abgebrüht gibt, kommt besser an!
Einer Befragung unter mehr als 300 amerikanischen CEOs zufolge werden schnell agierende, aggressive und beharrliche Kandidaten eher eingestellt als Konkurrenten, die gut zuhören, kritikfähig und gute Team-Player sind. Für die Umfrage bewerteten Stephen Kaplan, Professor für Unternehmertum und Finanzen an der GSB und seine beiden Co-Autoren rund 40 Eigenschaften und Fähigkeiten, darunter Führungsstil, intellektuelle, motivierende, zwischenmenschliche, technische und funktionale Faktoren.
Weiche Faktoren, schlussfolgern die Autoren der Uni Chicago, spielen - zumindest bei der Einstellung - eine untergeordnete Rolle. Außerdem werden allgemeine Talente für wichtiger als spezifische Fähigkeiten gehalten. Vorteile für Insider gibt es offenbar nicht. Ihre Chancen aufzusteigen sind nicht besser als die von Externen. Das liege vor allem daran, dass innerbetriebliche Fähigkeiten überbewertet würden, so Kaplan.
Headhunter suchen verstehende Entscheider
Über den Managertyp der Zukunft machen sich inzwischen auch Unternehmensberatungen Gedanken. So charakterisiert DDI, ein Spezialist für Personalfragen, eine geeignete Führungskraft als Manager, der zuhören, denken und entscheiden kann. Ihm müsse es vor allem bei internationaler Verantwortung gelingen, Ziele, Prozesse und Kultur der Muttergesellschaft zu bewahren und gleichzeitig den lokalen Gegebenheiten anzupassen.
DDI definiert mehrere Typen von Führungskräften, die in einer globalisierten Welt gute Chancen haben werden. So sehen die Personalprofis viel Potenzial bei Managern mit hoher emotionaler Intelligenz. Führungspersonal, das sich durch besondere Fähigkeiten im Umgang mit Menschen unterschiedlicher kulturelle Couleur auszeichnet und dieses auch entsprechend der Mannschaft anwendet, wird als besonders erfolgreich eingestuft. Schließlich wird Führungsverhalten überall anders aufgenommen: Ein Chinese darf sein Gesicht nicht verlieren, ein Japaner wird ohne Zustimmung seines Vorgesetzten nicht handeln, ein Amerikaner misst sich gern mit anderen und erwartet ausführliche Zielvorgaben.
Ebenso wichtig wird bei DDI die intellektuelle Fähigkeit gewertet, die tägliche Flut an Informationen zu gliedern, zu bewerten und einzuordnen. Solche Manager des Typs "Intellecutal Grunt" sollten trotz ihres Durchblicks und Abstraktionsvermögens jedoch nicht den Bezug zu Mensch und Praxis verlieren.
Weitere Managertypen hat die Personalberatung in einem Leitfaden zusammengestellt. Mehr Informationen unter: www.ddiworld.com
Die Einzelheiten zu den von der RSM entwickelten Manager-Charakteristika finden Sie unter: www.rsm.nl/RSM2/Newsroom
Details ihrer Befragung stellt die Universität Chicago zur Verfügung unter: www.chicagogsb.edu
  • FTD.de, 20.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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