Ein Mann mit Meriten: Ewald Nowotny
Regierungskreisen zufolge bringt der Wirtschaftsprofessor für seine neue Funktion ideale Voraussetzungen mit. Der Österreichische Gewerkschaftsbund hatte Nowotny 2006 an die Spitze der Bawag berufen, nachdem das Institut bei umstrittenen Finanzgeschäften in der Karibik Milliarden verloren hatte. Nowotny bewahrte das Institut vor dem Kollaps und initiierte nach der Sanierung den Verkauf an den US-Finanzinvestor Cerberus. Im vergangenen Jahr wurde der gebürtige Wiener zu "Österreichs Manager des Jahres" gekürt.
Im personellen Umbau der OeNB spiegeln sich die politischen Verhältnisse in der Alpenrepublik: Nowotny ist ein enger Vertrauter von Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ). 21 Jahre saß er für die Sozialdemokraten im Parlament und war Finanzsprecher seiner Partei. Die ÖVP, Koalitionspartner in der rot-schwarzen Wiener Regierung, akzeptierte Nowotnys Nominierung unter der Bedingung, dass ihr Parteimitglied Raidl die Spitze des OeNB-Kontrollgremiums übernimmt. Der 66-Jährige ist nicht nur Stahlunternehmer, sondern Berater von ÖVP-Parteichef und Finanzminister Wilhelm Molterer.
Die Verträge der OeNB-Vorstände Wolfgang Duchatczek (ÖVP) und Peter Zöllner (SPÖ) sollen verlängert werden. Der ÖVP-Mann Josef Christl, ein Vertrauter des früheren Finanzministers Karl-Heinz Grasser, soll durch Parteifreund Andreas Ittner ersetzt werden.
Die österreichische Regierung plant, die Neubesetzungen im Laufe dieses Monats bekannt zu geben. Die OeNB-Hauptversammlung soll die Änderungen am 27. April schließlich absegnen.