Schlechte Geschäfte: Die Kursverläufe von Freenet, Air Berlin, Curanum und Balda
Hersov war vorgewarntEgal, was Windhorst auch anfasst, es geht schief: Das Engagement beim Telekom-Konkurrenten
Freenet endet nach einem Kursverlust von 43 Prozent, die Beteiligung an
Air Berlin verkauft er nach einem Aktiensturz von 38 Prozent. Nicht besser ergeht es Vatas bei
Balda : Der Handyzulieferer hat seit September etwa zwei Drittel an Wert verloren. Wie hoch die Vatas-Verluste sind, weiß niemand genau, Analysten sprechen von fast 260 Mio. Euro.
Hersov war vorgewarnt. Windhorst scheitert mit allen seinen Unternehmen, 2004 meldet er gar private Insolvenz an. 81 Mio. Euro schuldet er am Ende seinen Gläubigern, allein Hersov 3,4 Mio. Euro. Sie alle werden, so entscheidet das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, mit 1,55 Mio. Euro abgefunden. Mehr ist nicht zu holen. Das findet sogar sein Insolvenzverwalter "krass".
Einst hatte Windhorst PC zusammengeschraubt und Firmen wie am Fließband gegründet. In London, Hongkong, Lissabon. Sein Traum war der globale Konzern. Er fing an mit nichts - und endete mit nichts. Zwischenzeitlich gönnte er sich Chauffeure, Butler, private Helikopter. Ein schönes Leben, das andere unfreiwillig bezahlten.
Windhorst ist ein Stehaufmännchen
An Windhorst perlt alles ab. Seine geschäftlichen Pleiten. Seine Privatinsolvenz. Die Betrugsverfahren gegen ihn. Die schlechte Presse. Er gönnt sich wieder etwas: Neider berichten von 2000 Euro teuren Schuhen, Hotelsuiten für 25.000 Euro pro Nacht und Flügen in luxuriösen Privatfliegern. Im Berliner "Borchardt", in dem auch Ex-Kanzler gerne speisen, lässt er sich bevorzugt in der Mitte des Raumes platzieren. Sehen und gesehen werden.
Niemand weiß, warum sich Hersov diesen Mann als Statthalter in Deutschland leistet. Vielleicht soll er seine Schulden abarbeiten, vielleicht für Aufmerksamkeit sorgen, vielleicht als Sündenbock dienen. So einer, da ist sich ein Banker sicher, würde "bei keinem in der etablierten Geschäftswelt einen Termin kriegen. Der Ruf ist miserabel." Als Hersov bei Berlinwasser einsteigen will, um den internationalen Expansionskurs des Versorgers zu finanzieren, winkt der Senat ab: Solange Windhorst mit von der Partie sei, verzichte man dankend.
Windhorst spielt über Bande, nur ungern taucht er aus der Deckung auf. Die Nord/LB hat das im Frühjahr schmerzlich erfahren. Verdeckt über einen Banker der
Credit Suisse bestellte Vatas bei der Landesbank ein Aktienpaket von Kleinstfirmen, für 234 Mio. Euro - und weigerte sich anschließend, die Aktien abzunehmen. Kein Wunder: Das Paket ist heute keine 105 Mio. Euro mehr wert.
Windhorst ist ein Stehaufmännchen. Sein Scheitern ignoriert er. Er redet sich und sein Handeln schön, berichten Menschen aus seiner Umgebung. Das habe er schon immer gekonnt - und damit andere aufs Glatteis geführt.