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  FTD-Serie: Wirtschaftsbücher

Neue Ideen zur Unternehmensführung, wirtschaftspolitische Analysen oder Porträts von Firmen und Entscheidern: FTD-Online stellt in ausführlichen Rezensionen die interessantesten Wirtschaftsbücher auf dem deutschen und dem englischsprachigen Buchmarkt vor.

Merken   Drucken   16.08.2007, 18:12 Schriftgröße: AAA

Wirtschaftsbücher: Aber uns fragt ja keiner  

Der Wiederaufschwung der deutschen Wirtschaft beeindruckt die beiden Autoren nicht, im Gegenteil. Wie zwei Unternehmensführer das Land sanieren würden. von Olaf Preuss
Utz Claassen, derzeit noch Chef bei Energie Baden-Württemberg (EnBW), sieht das Land in seinem neuen Buch "Mut zur Wahrheit" als einen "Sanierungs-Notfall" und betrachtet es als überlebenswichtig, dass endlich die Prinzipien erfolgreicher Unternehmensführung zur Anwendung kommen - ein profundes Wissensmanagement etwa, mit dem nicht ganz zufällig Claassen selbst bislang drei Unternehmen saniert hat.
Dieter Brandes wiederum beschreibt plastisch, wie Deutschland an "Bürokratie und Regulierungswut" zu ersticken droht und empfiehlt als ehemaliger Aldi-Manager: "Die Aldi-Diät für Deutschland".
Brandes, heute Unternehmensberater, hält den Pionier des Discounthandels für das deutsche Vorzeigeunternehmen schlechthin. Die zentrale Stärke von Aldi liegt für ihn in der Vereinfachung und Konzentration auf das unbedingt Nötige. Mit der Aldisierung der Politik, meint er, könne man Kunden im Supermarkt genauso glücklich machen wie wählende Staatsbürger.
Man folgt dem Autor gern auf seiner Tour durch die deutsche Bürokratiehölle. Obgleich das alles nicht neu ist, erfreut die Lektüre immer wieder: die Beschreibung grotesker Steuerschlupflöcher etwa oder saarländische Vorschriften über den nötigen Platz von Bienen in Bienenstöcken. Man glaubt ihm, dass Politiker selbst immer mehr Komplexität erzeugen anstatt sie zu reduzieren.
Claassen dagegen dreht das große Rad und ordnet Deutschland auf der Landkarte der Globalisierung ein. Sein Fazit, auch von anderen schon so formuliert: Wenn wir die Überalterung der Gesellschaft nicht stoppen, wenn wir Deutschland nicht konsequent zu einer modernen Wissensgesellschaft umbauen, können wir angesichts der Konkurrenz vor allem aus Asien bald einpacken.
Trotz pessimistischer Grundierung sind beide Bücher klug geschrieben und bereichernd. Keine Frage: Die deutsche Gesetzgebung muss entschlackt, politische Prozesse müssen effektiver werden. Doch wie kommt man dem näher, ohne schieren Populismus zu betreiben? Ein Staat ist eben weit mehr als ein Konzern.
Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof stritt im Bundestagswahlkampf 2005 auf Seiten der CDU für eine gerechtes einfaches Steuersystem. Die SPD attackierte ihn dafür hart, die CDU verlor entscheidende Stimmen. Politische Rationalität wird nun einmal anders buchstabiert als gesunder Menschenverstand.

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