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Merken   Drucken   11.09.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Wirtschaftsbücher: Ein Buch so interessant wie eine Fehlermeldung

Als Mitgründer von Microsoft ist Paul Allen einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt. Seine Autobiografie aber hat er komplett versemmelt. von Matthias Oden
Paul Allen hat eine ganze Menge. Er hat zusammen mit Bill Gates Microsoft gegründet und deswegen natürlich jede Menge Geld. Viele Millionen davon hat er für gute Zwecke gespendet, er hat zwei Profi-Sportvereine gekauft und den ersten privaten suborbitalen Raumflug quasi im Alleingang finanziert. Außerdem hat er noch die zwölftgrößte Motorjacht der Welt und irgendwann mal mit Mick Jagger gejammt.
Es gibt also nicht viel, was Paul Allen nicht hat. Bis vor Kurzem hatte er noch keine Autobiografie, aber das hat er nun mit "Idea Man" auch erledigt, und seit Kurzem liegt sie auch auf Deutsch vor. Das Problem ist nur: So erfolgreich Allens Leben auch sonst verlaufen ist, diesen Teil hat er komplett versemmelt.
"Idea Man" ist nämlich langweilig wie die Hölle. Das ist einerseits überraschend: Allens Lebenslauf lässt anderes erwarten als literarische Schnarchattacken. Andererseits ist es konsequent. Schließlich waren es Allens Programmierkünste, die den Grundstein legten für Microsofts Aufstieg zu einem der wichtigsten Unternehmen der Welt. Und Allen schreibt Texte genauso, wie er Programme schreibt: Er reiht Informationen aneinander. Dass das Ergebnis ähnlich spannend ist wie das Betrachten eines Windows-Ladebalkens, liegt in der Natur der Sache.
"Aus der achten Klasse gibt es zwei bemerkenswerte Vorfälle zu berichten" Die Kindheit als einziger Sohn einer amerikanischen Mittelstandsfamilie, die Schulzeit, in der er Bill Gates traf und beide erste Programmiererfahrungen sammelten, die Gründung von Microsoft, der Bruch mit Gates, die Sportvereine, die philanthropischen Aktivitäten, die experimentelle Raumfahrt - all das kommt streng chronologisch und weitgehend emotionslos daher, immer wieder unterbrochen von musealen Ausritten in die Geschichte der Informatik und von Anekdoten, die sich im Nichts verlaufen. Es ist diese gnadenlose Gründlichkeit, die Sätze beschert wie diesen: "Aus der achten Klasse gibt es zwei bemerkenswerte Vorfälle zu berichten."
Microsoft-Gründer Paul Allen und Bill Gates   Microsoft-Gründer Paul Allen und Bill Gates
Das ist schon schlimm genug. Richtig schmerzhaft aber wird es, weil ab und an durchschimmert, wie gut "Idea Man" hätte sein können. Etwa, wenn Allen über das schwierige Verhältnis zu Gates schreibt: Natürlich ist das einseitig, und Gates kommt als cholerischer Kontrollfreak nicht allzu gut dabei weg.
Aber das kann in einer Autobiografie auch ruhig so sein. Und wenn Allen immer wieder Gates' Versuche schildert, ihm Firmenanteile abzuluchsen, wenn er schließlich erzählt, wie ihn Gates und Microsoft-Chef Steve Ballmer ganz rausdrängen wollten, dann bekommt der Leser eine Ahnung von seiner Verbitterung - aber auch nicht mehr. Allen setzt auch hier nur Details aneinander. Eine Geschichte erzählt er nicht.
Hand in Hand mit diesem Nullgespür für Dramatik geht leider auch noch ein Hang zum Eigenlob. Ob er nun Steve Jobs über die Nützlichkeit einer zweiten Maustaste belehrt oder mit Gates über Geschäftsfragen diskutiert - stets ist es der Autor, der recht behält.
Natürlich, Allen hat schon in jungen Jahren mehr erreicht, als die meisten je schaffen werden. Aber gerade als lebende Legende sollte er auf Selbstbeweihräucherung verzichten können. Sätze wie: "Aber letztlich kann ich damit leben, dass ich mehr Alleskönner bin als nur ein Experte in einem bestimmten Fachgebiet", hat ein Paul Allen nicht nötig.
Buchcover Paul Allen - Idea Man   Buchcover Paul Allen - Idea Man
Am Ende tut man dann das mit dem Buch, was Allen schon mit der Datei hätte tun sollen: Man verschiebt "Idea Man" in den Papierkorb.
Idea Man von Paul Allen
Paul Allen schreibt Texte, wie er Programme schreibt: Er reiht Informationen aneinander. Viele. Das Ergebnis ist dann folgerichtig auch so spannend wie eine Windows-Installation. Campus, 430 S., 24,95 Euro
  • FTD.de, 11.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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