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Merken   Drucken   27.09.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Wirtschaftsbücher: Und Helmut Schmidt ist doch Sozialdemokrat  

Der frühere Bundeskanzler offenbart in seiner Altersbilanz viel Nähe zu seiner Partei. Die Nähe ist so groß, dass Schmidt bestreitet, es habe je ein Zerwürfnis gegeben. von Peter Ehrlich
Über 25 Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bundeskanzlers stellt Helmut Schmidt eine der hartnäckigsten Thesen der politischen Publizistik infrage. Die Behauptung, er habe sich mit seiner Partei "überworfen", sei Unfug, und die These, er sei der richtige Mann in der falschen Partei gewesen, sei ein "Danaergeschenk" aus den Reihen der CDU/CSU. Vor dem Machtwechsel 1982 habe er immer die Mehrheit für seine Politik gehabt, erst danach habe sich die SPD in Fragen wie dem Nato-Doppelbeschluss und der Atomenergie von seinem Kurs abgewandt.
Formal hat Schmidt recht. Aber natürlich stimmt auch, dass die SPD sich Anfang der 80er-Jahre schnell von Schmidts Politik fortbewegte - weil, wie Schmidt kritisch anmerkt, der Parteivorsitzende Willy Brandt nicht entschieden genug gegensteuerte.
In den 80er- und 90er-Jahren, also in der Oppositionszeit, hielt der Altkanzler zwar eher Distanz, aber immer habe die Sozialdemokratie "am weitesten meinen moralischen Wertvorstellungen" entsprochen. Mit einer Entschiedenheit, die manche seiner bürgerlichen Bewunderer verwirren dürfte, bekennt sich der bald 90-Jährige in seinem Buch "Außer Dienst" zu seiner heutigen Partei. Immer wieder lobt er Gerhard Schröder, noch häufiger übrigens für sein Nein zum Irakkrieg als für die Agenda 2010. Die Namen Kurt Beck, Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier allerdings tauchen im Buch nicht auf, in einer 70 Jahre umfassenden Bilanz kann einer wie Schmidt die Tagesaktualität weglassen.

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  • FTD.de, 27.09.2008
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