Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti und ihr Schattenminister Hermann Scheer vor einer Fotovoltaikanlage
Scheers Energiekonzept für den Wahlkampf"Ich hätte schon mehrmals Minister werden können, das erste Mal vor zwanzig Jahren in Nordrhein-Westfalen. Johannes Rau hat es mir angeboten", erzählt der heute 63-Jährige. "Aber niemand wollte so weit gehen wie Andrea Ypsilanti." Die hessische SPD-Chefin bat Scheer, für ihren Wahlkampf ein Energiekonzept zu entwerfen. "Dann hat sie es eins zu eins übernommen", erzählt Scheer fast etwas ungläubig. Die Atomkraftwerke Biblis A und B will er bis 2013 abschalten, auf den Neubau des Kohlekraftwerks bei Hanau verzichten. Stattdessen sollen Kreise und Kommunen die Stromproduktion übernehmen und Windräder, Blockheizkraftwerke und Solaranlagen bauen. Um die Sache "gleich richtig" zu machen, versprach Ypsilanti Scheer ein Superministerium für Wirtschaft und Umwelt.
So haben sich die beiden Sozialdemokraten aneinander gekettet Ypsilanti braucht Scheers Sachverstand und seine Kampfkraft, die er in jahrelangen Auseinandesetzungen mit den großen Energiekonzernen gewonnen hat. Und Scheer braucht Ypsilanti, um seine Vision in die Realität umzusetzen. Leider läuft die Regierungsbildung nicht ganz so glatt wie ihre Absprache unter vier Augen.
Umso gereizter reagiert Scheer deshalb auf Genossen wie Parteivize Peer Steinbrück, die den Hessen "Wortbruch" vorwerfen, weil Ypsilanti sich jetzt doch von der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen lassen will. "Das ist doch pharisäerhaft", giftet Scheer. "Alle diejenigen, die auf keinen Fall eine Minderheitsregierung wollen, sollen zumutbare Alternativen vorweisen. Damit habe ich auch Steinbrück konfrontiert." Daraufhin habe der Finanzminister eine Große Koalition vorgeschlagen. "Das ist ja nun völlig ausgeschlossen, schon gar unter Roland Koch. Wenn Steinbrück sich so intensiv um Hessen kümmert, warum ist ihm das dann nicht aufgegangen?" Eine Große Koalition wäre aus Scheers Sicht "potenzierter Wortbruch", weil die SPD-Wähler als Allerletztes eine Fortsetzung des "Systems Koch" wollten.