Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamts
Ruhrgas gibt bis nächsten Mittwoch nach, oder Böge untersagt dessen bisherige Praxis. Der Amtschef will Bergmann das wichtigste Instrument zur langfristigen Zementierung der Ruhrgas-Dominanz im Gasgroßhandel aus der Hand schlagen - die langfristige Abnahmeverpflichtung von Stadtwerken. Ruhrgas-Verträge laufen oft über zwei Jahrzehnte oder mehr. Das senkt die Chancen für Newcomer, einen Fuß in die Tür zum Gasmarkt zu bekommen, den die
Eon -Tochter zu mehr als der Hälfte beherrscht.
Natürlich gilt Böges Vorstoß, die Vertragslaufzeit auf maximal vier Jahre zu begrenzen, formal für alle 15 deutschen Ferngasgesellschaften gleichermaßen. Treffen wird es aber nur den Platzhirsch. Entsprechend erfreut reagiert die Konkurrenz. "Wir begrüßen die Initiative des Kartellamts zur Öffnung der langfristigen Lieferverträge", kommentierte am Dienstag etwa Rainer Seele, Geschäftsführer beim schärfsten Ruhrgas-Wettbewerber Wingas, die geplante Zwangsöffnung.
"Ende der Fahnenstange"
Bergmanns Wertung klingt derweil bitter. Die Wettbewerbsbehörde nehme "leider eine radikale Position ein", ließ er per Zeitungsinterview wissen. Dies werde "eine gerichtliche Auseinandersetzung provozieren, falls das Kartellamt daran festhält". Danach sieht es ganz aus. Die Wettbewerbshüter denken nicht daran, nachzugeben. Der Kompromissvorschlag - höchstens Vier-Jahres-Verträge bei 50 Prozent Lieferanteil, höchstens zwei Jahre bei 80 Prozent - sei nicht verhandelbar: "Hier ist das Ende der Fahnenstange für eine Konsenslösung erreicht", so Böge.
Auch eine Antwort auf Bergmanns Prozessdrohung gab er, ohne den Namen des Kontrahenten zu nennen: "Ich habe den Eindruck, dass wir mit dem Verfahren am Ende ganz eindeutig auf der Siegerseite sind." Dem Amtschef käme der Streit sogar gelegen. Schon jetzt bietet er ihm eine Möglichkeit zur Profilierung als Kämpfer für freie Energiemärkte, nachdem das Kartellamt der Bundesnetzagentur im behördeninternen Kompetenzgerangel um die Regulierung der Strom- und Gasnetze unterlegen war. Die vom Wahlkampf aufgeheizte Energiepreisdebatte verstärkt den Effekt.