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Merken   Drucken   05.04.2009, 16:00 Schriftgröße: AAA

Zweiter Abgang in vier Monaten: DWS trennt sich von Europachef

Vertriebschef Kunze muss die Deutsche-Bank-Tochter verlassen. Zuvor war das verwaltete Vermögen von Deutschlands Fondsgesellschaft Nummer eins um 20 Prozent zusammengeschmolzen. Das Unternehmen hatte zu früh auf eine Markterholung gesetzt. von Elisabeth Atzler und Sarah Speicher-Utsch (Frankfurt)
Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS trennt sich vom Leiter ihres Europageschäfts, Stephan Kunze. Entsprechende FTD-Informationen bestätigte die Deutsche-Bank-Tochter auf Anfrage. Kunze sei von seinem Amt zurückgetreten, sagte ein Sprecher der Fondsgesellschaft. Kunzes Vertrag lief noch bis zum Herbst. Die DWS  will "in Kürze" einen Nachfolger bekannt geben.
Kunze war in der insgesamt siebenköpfigen Geschäftsführung von DWS seit Mitte 2007 verantwortlich für den Vertrieb. Er ist der zweite Topmanager, der binnen vier Monaten die Fondsgesellschaft verlässt. Ende 2008 hatte bereits Heinz Fesser, bis dahin zuständig für Anleihefonds, seinen Posten räumen müssen.
Die gesamte deutsche Fondsbranche kämpfte 2008 mit heftigen Abflüssen: Die Garantie der Bundesregierung auf Spareinlagen Anfang Oktober sorgte für eine Fondsflucht. Viele Privatanleger schichteten Geld aus Geldmarktfonds sowie geldmarktnahen Anleihefonds in Tages- und Festgeldkonten um.
Muss DWS verlassen: Stephan Kunze   Muss DWS verlassen: Stephan Kunze
DWS wurde von dieser Entwicklung besonders getroffen. Das verwaltete Vermögen sank um rund 20 Prozent auf rund 120 Mrd. Euro - wobei 25 Mrd. Euro Vermögen auf Deutsche-Bank -Produkte entfallen. Ohne die Anlageprodukte der Mutter ist DWS hinter dem Sparkassenfondsdienstleister Deka nur noch die Nummer zwei am heimischen Markt. Allein aus Geldmarktfonds zogen Anleger 2008 etwa 14 Mrd. Euro ab, aus Anleihefonds rund 8 Mrd. Euro. Grund für die Abflüsse aus den Anleihefonds war auch die enttäuschende Rendite. DWS hatte zu früh auf eine Markterholung gesetzt und voreilig wieder in riskante Wertpapiere investiert.
Bei der DWS-Konzernmutter steht Kevin Parker, Leiter der Vermögensverwaltung, mittlerweile unter Druck. Parker, Mitglied im Group Executive Committee, wird nach dem Managementumbau der Deutschen Bank auch nicht in den Vorstand um Bankchef Josef Ackermann aufrücken.
Insider berichten, dass es zwischen Parkers Managementriege und DWS-Managern, vor allem Kunze, zuletzt Meinungsverschiedenheiten über den weiteren Kurs der Fondsgesellschaft gab. Bisher agiert DWS innerhalb des Konzerns relativ unabhängig, was sich auch aus ihrer Historie erklärt. DWs war 1956 als Vermögensverwalter mehrerer deutscher Institute gegründet worden. Erst seit 2004 gehört sie komplett der Deutschen Bank.
Kunze, der erst 2005 zu DWS gekommen war, soll unter anderem die schwache Entwicklung der Zertifikateplattform DWS Go zum Verhängnis geworden sein. Er hatte das Geschäft mit Zertifikaten im Fondsmantel Ende 2006 ambitioniert gestartet, kam aber nur auf ein Produktvolumen von insgesamt gut 400 Mio. Euro.
18:19:05 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Deutsche Bank 29,39 EUR   +1,07%  0.31
  • Aus der FTD vom 06.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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