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Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   12.12.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Ein Fall für zwei

Anne Weitzdörfer kennt sich als Beraterin und Coach mit Problemen im Büro aus. Diesmal widmet sie sich dem Thema: Mein netter Chef kann sich nicht durchsetzen. von Anne Weitzdörfer
Das Problem Mein Abteilungsleiter ist ein sehr netter und umgänglicher Typ, den alle gerne mögen. Auch ich komme gut mit ihm zurecht. Aber er kommt schwer zum Punkt und kann sich überhaupt nicht durchsetzen. Wenn er Meetings leitet, endet es immer damit, dass ich moderiere und die Ergebnisse zusammenfasse. Ich mag ihn und will nicht, dass er schlecht aussieht. Jetzt hat mir meine Freundin gesagt, dass ich ihm damit möglicherweise mehr schade als helfe. Ist dem so, und wenn ja, wie gehe ich damit um?
Henning, 31 Jahre, Vertriebsstrategie Konsumgüter
Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Vereinfacht dargestellt, springen Sie immer dann in die Verantwortung, wenn Ihr Chef schwach wird und "retten" ihn. Wenn er Ihnen dabei den Staffelstab so elegant und gekonnt übergibt, dass keiner der Anwesenden etwas merkt, ist das großartig. Ihr Chef hat seine Schwäche erkannt und ist so klug, im entscheidenden Moment das Steuer an seinen kompetenteren Mitarbeiter zu übergeben. Ein schönes Beispiel für echte Teamarbeit und das sogar über hierarchische Grenzen hinweg! So gesehen schaden Sie Ihrem Chef nicht.
Wenn aber deutlich wird, dass Sie im Meeting ans Steuer gehen (müssen), weil er ins Straucheln gerät, ist die Situation für alle Beteiligten unangenehm. Auch wenn Sie gut dabei aussehen, wird die Rettungsaktion den Anwesenden nicht entgehen. Und dann weiß jeder, dass Ihr Chef in schwierigen Situationen einen starken Mann an seiner Seite benötigt. So gesehen schaden Sie ihm.
Was also tun? Nehmen wir an, Sie sprechen die Situation bei Ihrem Chef an. Genau so unverkrampft, wie Sie gerade darüber nachdenken. Im besten Fall reagiert er positiv und Sie optimieren gemeinsam ihren kleinen Rollenwechsel. So lange, bis Sie stets als eingespieltes Topteam auftreten und auch als solches wahrgenommen werden. Im schlimmsten Fall ist Ihrem Chef sein Verhalten jedoch noch nie aufgefallen und Sie wecken mit dem Gespräch schlafende Hunde. Mit dem Ergebnis, dass Ihr Chef sich künftig in jedem Meeting Gedanken macht, ob er Sie nicht gerade einlädt, vor seinen Augen an seinem Stuhl zu sägen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er sich genötigt fühlt, das Ruder selbst in der Hand zu halten. Ob das besser ist, sei dahingestellt.
Über eine Sache sollten Sie sich im Klaren sein: Nachdem Sie die Situation angesprochen haben, ist der Geist aus der Flasche. Und keine Rettungsaktion im Meeting mehr so natürlich und selbstverständlich wie zuvor. Im Zweifel wirkt es sogar komisch und gestellt. Stellen Sie sich also unbedingt vorher die Frage: Wohin führen Ihre Überlegungen? Was ist ihr Ziel? Auch wenn ich sehr für Offenheit bin, glaube ich, dass es in Ihrem Fall klüger ist, die Situation so zu lassen. Und sich weiterhin auf unaufdringliche Art und Weise für eine Führungsrolle zu empfehlen.

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  • FTD.de, 12.12.2011
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