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  FTD-Serie: Annes Antwort

Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   20.06.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Ich will mehr Geld

Als Beraterin und Coach kennt sich unsere Autorin mit Problemen im Büro bestens aus. Jede Woche beantwortet sie Ihre Fragen. Heute: Wie kann ich am geschicktesten mein Gehalt neu verhandeln? von Anne Weitzdörfer
Das Problem Ich verdiene zu wenig Geld. Als ich vor sieben Jahren eingestellt wurde, habe ich bei der Frage nach meinem Gehalt zu wenig angegeben (ich nannte netto statt brutto). Darüber hinaus war die Medienbranche jahrelang gebeutelt von der schlechten Wirtschaftslage, an Gehaltserhöhungen war nie zu denken. Jetzt tue ich mich schwer, mein Gehalt neu zu verhandeln - mir fehlt auch einfach die Erfahrung. Was kann ich tun?
Martin, 40 J., Medienbranche
Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Sie möchten gern eine Gehaltserhöhung. Nachvollziehbar. Wir können ja mal überlegen, was Sie tun müssten, damit Sie unter Garantie keine Gehaltserhöhung bekommen. Sie könnten fragen, "ob es eventuell und unter Berücksichtigung der allgemeinen Preisentwicklung vielleicht in Ordnung wäre, dass, wenn die Geschäftsentwicklung weiter so positiv verläuft, unter Umständen zum Jahresende das Gehalt ein bisschen angepasst werden könnte". Als Ihr Chef wäre meine Antwort ein schlichtes Nein. Warum? Verschachtelter Satzbau. Konjunktiv. Zögerliche Grundhaltung. Allein anhand dieser Äußerlichkeiten ist erkennbar, dass Sie das Nein akzeptieren und von dannen ziehen würden.
Das heißt im Umkehrschluss: Sie müssen überzeugt sein, dass Sie die Gehaltserhöhung verdient haben. Sind Sie das? Solange Sie diese Frage nicht im Schlaf mit einem inbrünstigen "Ja!" beantworten, sollten Sie gar nicht darüber nachdenken, das Gespräch mit Ihrem Chef zu suchen.
Der guckt Sie sonst einmal scharf an, und Sie sind wieder draußen. Und so viele Chancen haben Sie bei dem Thema nicht.
Dazu überlegen Sie sich im Vorfeld genau, wie Ihre Position ist, und verstecken sich nicht hinter der Inflation oder den gut verdienenden Kollegen. Welches Gehalt spiegelt Ihre Leistung wieder und ist in Ihrer Branche angemessen? Fragen Sie sich selbstkritisch und ehrlich: Was würden Sie sich zahlen? Wenn Sie hier ganz klar sind, sich auch im Rollenspiel mit einem guten Freund nicht aus der Ruhe bringen lassen, kann es losgehen.
Es versteht sich von selbst, dass Sie Ihren Chef nicht zwischen Tür und Angel abpassen und ihm das Thema lapidar vor die Füße werfen. Gehaltsgespräche sind sensibel und wollen gut vorbereitet sein. Sie suchen sich eine Zeit aus, in der Ihr Chef die Aufmerksamkeit für dieses Thema hat - also nicht kurz vor Relaunch der Website oder dem Redaktionsschluss des neuen Magazins. Idealerweise fällt dieser Termin mit einem wichtigen Projektergebnis Ihrerseits zusammen, sodass Sie eine gute Verhandlungsposition haben.
Aus meiner Erfahrung steht und fällt das Gespräch mit der Vorbereitung und dem Durchdenken aller Argumente. Die daraus gewonnene Sicherheit spürt Ihr Gegenüber im Gespräch. Wenn Sie sich dazu klarmachen, dass niemand außer Ihnen für Sie kämpft, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Viel Erfolg!
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  • FTD.de, 20.06.2011
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