Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Sie möchten gern eine Gehaltserhöhung. Nachvollziehbar. Wir können ja mal überlegen, was Sie tun müssten, damit Sie unter Garantie keine Gehaltserhöhung bekommen. Sie könnten fragen, "ob es eventuell und unter Berücksichtigung der allgemeinen Preisentwicklung vielleicht in Ordnung wäre, dass, wenn die Geschäftsentwicklung weiter so positiv verläuft, unter Umständen zum Jahresende das Gehalt ein bisschen angepasst werden könnte". Als Ihr Chef wäre meine Antwort ein schlichtes Nein. Warum? Verschachtelter Satzbau. Konjunktiv. Zögerliche Grundhaltung. Allein anhand dieser Äußerlichkeiten ist erkennbar, dass Sie das Nein akzeptieren und von dannen ziehen würden.
Das heißt im Umkehrschluss: Sie müssen überzeugt sein, dass Sie die Gehaltserhöhung verdient haben. Sind Sie das? Solange Sie diese Frage nicht im Schlaf mit einem inbrünstigen "Ja!" beantworten, sollten Sie gar nicht darüber nachdenken, das Gespräch mit Ihrem Chef zu suchen.
Der guckt Sie sonst einmal scharf an, und Sie sind wieder draußen. Und so viele Chancen haben Sie bei dem Thema nicht.
Dazu überlegen Sie sich im Vorfeld genau, wie Ihre Position ist, und verstecken sich nicht hinter der Inflation oder den gut verdienenden Kollegen. Welches Gehalt spiegelt Ihre Leistung wieder und ist in Ihrer Branche angemessen? Fragen Sie sich selbstkritisch und ehrlich: Was würden Sie sich zahlen? Wenn Sie hier ganz klar sind, sich auch im Rollenspiel mit einem guten Freund nicht aus der Ruhe bringen lassen, kann es losgehen.