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  FTD-Serie: Annes Antwort

Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   13.02.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Jetzt gehörst Du mir!

Anne Weitzdörfer kennt sich als Beraterin und Coach mit Problemen im Büro aus. Diesmal widmet sie sich dem Thema: Ich muss 24 Stunden verfügbar sein. von Anne Weitzdörfer
Das Problem Ich bin seit Kurzem Vorstandsassistent in einem internationalen Konzern. Diese Position angeboten zu bekommen ist bei uns ein echtes Kompliment, das man nicht ablehnt. Der Job ist extrem fordernd, fachlich wie persönlich. Ich bin gut eingearbeitet, aber was mir wirklich zu schaffen macht, ist die Verfügbarkeit, die mein Chef von mir erwartet. Er schreibt morgens ab fünf Uhr E-Mails, ruft mich teilweise nachts an und erwartet, dass ich rund um die Uhr verfügbar bin. Das zehrt extrem an meinen Kräften, und ich finde, dass mir ein Minimum an Privatsphäre zusteht. Was kann ich tun?
Jens, 34 Jahre, Versicherungskonzern
Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Klingt ein bisschen so, als hätten Sie das Kleingedruckte nicht gelesen und nur den Glamour gekauft, der diesen Job so sexy macht. Und jetzt ist es da, das böse Erwachen. Ich kenne einen Assistenten, der musste nachts mit seinem Vorstand joggen - da hatte der seine besten Ideen. Ein anderer musste mit in den Familienurlaub.
Arbeitet der Vorstand 14 Stunden am Tag, arbeiten Sie 16. Das ist der Deal. Aber hey - dafür dürfen Sie im Sandkasten der großen Jungs mitspielen! Sie sitzen im Zentrum der Macht und kennen nicht nur jede Vorlage, Sie schreiben sie selbst! Und da Sie sich nach drei Jahren den Karriereturbo versprechen, verkaufen Sie für die Assistentenzeit Ihre Seele. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Sagen Sie bitte nicht, Sie hätten das nicht gewusst!
Gut, was also tun? Zunächst einmal ist es wichtig zu akzeptieren, dass es in Ihrem Unternehmen ein gewachsenes und gelebtes Verständnis der Assistentenrolle gibt und eine damit verbundene Erwartungshaltung. Das ist der Rahmen, den Sie unausgesprochen akzeptiert haben. Das soll nicht heißen, dass Ihre Situation ausweglos ist. Sie sollen nur verstehen, dass Sie vermutlich Stirnrunzeln ernten, wenn Sie nach den ersten Nachtschichten schüchtern den Wunsch nach mehr Privatsphäre vortragen. Das wäre in etwa so, als wenn Sie James Bond mit der Rettung der Welt beauftragen, und plötzlich besteht der auf seinem Schönheitsschlaf und will freitags zur Massage!
Die einzige Chance, die Sie haben, ist aus meiner Sicht die langsame Erweiterung Ihres Spielraums. In kleinen Schritten. Wie das geht? Immer, wenn Sie nicht erreichbar sein wollen, machen Sie das transparent, indem Sie vorab klar kommunizieren: "Heute Abend hat meine Freundin Geburtstag. Wir gehen essen - ich werde mein Telefon zu Hause lassen." Oder: "Ich habe heute einen wichtigen privaten Termin und melde mich frühestens um 22.30 Uhr zurück, falls Sie mich brauchen."
Jeder Vorstand weiß, dass ein Minimum an Privatsphäre auch für Sie unabdingbar ist, wenn Sie Ihren Job auf Dauer gut machen wollen. Allerdings gehört es zum Spiel dazu, dass Sie sich diese Freiräume und Privilegien verdienen. Viel Erfolg!

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  • FTD.de, 13.02.2012
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