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  FTD-Serie: Annes Antwort

Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   19.12.2011, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Keine Lust auf schnell und schmutzig

Anne Weitzdörfer kennt sich als Beraterin und Coach mit Problemen im Büro aus. Diesmal widmet sie sich dem Thema: Quantität statt Qualität. von Anne Weitzdörfer
Das Problem Vor einem halben Jahr bin ich als Personalberaterin in ein kleineres Unternehmen gewechselt. Der Job macht Spaß und ist genau, was ich immer wollte. Allerdings merke ich, dass der Anspruch, mit dem ich meinen Job mache und machen möchte, nicht mit dem meines Chefs übereinstimmt. Viele Themen werden aus der operativen Hektik und ohne Nachdenken entschieden. Es zählen eher der Abschluss und die schnelle Mark. Das finde ich wenig nachhaltig. Wie gehe ich am besten damit um?
Nina, 34 Jahre, Personalberaterin
Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Offenbar haben Sie Ihren Job von der Pike auf gelernt und arbeiten entsprechend professionell. Genau das hat Ihr Chef vermutlich gesucht. Gleichzeitig ist es aber sein gutes Recht, seinen Laden in der ihm eigenen Art zu führen. Aber vielleicht gibt es an dieser Stelle mehr als nur Schwarz oder Weiß?
Möglichkeit eins wäre, sich ganz stringent an die Vorgaben Ihres Chefs zu halten und künftig einfach Dienst nach Vorschrift zu machen. Mittelmäßiges Niveau, schneller Abschluss, gute Zahlen. Ihr Chef wird begeistert sein und Ihnen im besten Fall einen hübschen Bonus zahlen. Das wird Sie vielleicht ein bisschen trösten, aber nur wenig zufriedenstellen. Denn Sie wollen Ihren Weg gehen und sich in Ihren Job nicht hineinreden und schon gar nicht -regieren lassen. Entsprechend ist es nur eine Frage der Zeit, bis Sie sich mit dem jährlichen Bonus-Trostpflaster nur noch schwerlich motivieren können.
Variante zwei wäre, das Gespräch mit Ihrem Chef zu suchen und konkret zu besprechen: Was erwartet er von Ihnen? Was erwarten Sie von ihm? Hier sollte deutlich zur Sprache kommen, dass Sie einen Anspruch an Ihren Job haben und nicht gewillt sind, diesen herunterzuschrauben - schließlich haben Sie nicht umsonst Ihr Handwerk gelernt. Außerdem arbeiten Sie mit Menschen - da sollte ein professioneller und sensibler Umgang selbstverständlich sein. Vielleicht haben Sie Glück, und Ihr Chef versteht, was Ihnen wichtig ist, und lässt Ihnen künftig freie Hand. Vielleicht erleben Sie aber auch eine klare, chefmäßige Ansage, die Sie deutlich in Ihre Schranken weist.
Im schlechtesten Fall verringert sich danach Ihr Spielraum deutlich.
Ich rate Ihnen, hier nicht mit der Brechstange zu operieren. Es ist doch schon einmal ein guter Anfang, dass sich das Unternehmen mithilfe Ihrer Erfahrung weiterentwickeln möchte. Wenn Sie jetzt aber zu schnell zu viel wollen, stoßen Sie auf Widerstand. Und Ihr Chef hat nicht mehr das Gefühl, er hätte die personifizierte Professionalität gekauft, sondern eine nörgelnde Pedantin. Die dazu noch versucht, ihm das Zepter aus der Hand zu nehmen.
Halten Sie entsprechend an Ihrer anspruchsvollen Haltung fest. Und verfolgen Sie gleichzeitig eine Politik der kleinen Schritte. Was Sie vor sich haben, ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf.

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  • FTD.de, 19.12.2011
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