Nun ist das vermutlich kein Ansatz, der Ihnen hilft. Würde man Ihre Fragestellung auf ein normales Arbeitsumfeld in einem Unternehmen übertragen, müsste sich Ihr Chef - aus eigenem Antrieb oder auf Ihr Bitten hin - den Kollegen mal zur Seite nehmen und ihm erläutern, dass seine Neigung zum Haldenbau nicht in die Kategorie "professionelles Arbeitsumfeld" passt. Er müsste ihn bitten, sich diesem Anspruch zügig zu nähern. Dabei ist allerdings unbedingt erforderlich, dass Ihr Chef die nachhaltige Umsetzung dieser Bitte auch konsequent im Auge behält. Fraglich, ob er Lust hat, sich diesen Schuh anzuziehen. ("Wenn du nicht sofort dein Zimmer aufräumst, dann ...").
Ausziehen wäre noch eine Option. Ich bin gespannt, welche interessante Geschichte Sie sich aus den Fingern saugen, damit ein Kollege mit Ihnen das Büro tauscht. Vielleicht eine spontan auftretende Stauballergie? Das wird ein schwieriges Unterfangen, und ich bezweifle, dass Sie damit Erfolg haben werden.
In Ermangelung möglicher Ansatzpunkte bleibt also nur der Blick auf Sie selbst. Blöd, aber aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass die Unordnung auf dem Schreibtisch Ihres Kollegen vielleicht ein Spiegel sein könnte für das Durcheinander in Ihrem Kopf? Und Sie deshalb so ungern damit konfrontiert werden? Nachvollziehbar wär's. Wenn dem so ist, wäre die Lösung so einfach wie schwer: Räumen Sie auf! Schmeißen Sie Altes weg, behalten Sie, was Ihnen lieb und teuer ist, und erfreuen Sie sich an der gewonnenen inneren Klarheit. Woran Sie merken, dass es so weit ist? Wenn Sie gelassen und schmunzelnd am Schreibtisch sitzen, während der Kollege gegenüber eifrige neue Häufchen baut.