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  FTD-Serie: Annes Antwort

Sie haben ein Problem im Job oder mit Kollegen? Anne Weitzdörfer arbeitet seit vielen Jahren als Beraterin und Coach. Jede Woche beantwortet sie in der FTD Ihre Fragen. Schreiben Sie an fraganne@guj.de. Alle Anfragen werden natürlich vertraulich behandelt.

Merken   Drucken   16.01.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Annes Antwort: Unterm Joch der kleinen Blackberrys

Anne Weitzdörfer kennt sich als Beraterin und Coach mit Problemen im Büro aus. Diesmal widmet sie sich dem Thema: Blackberry - ja oder nein? von Anne Weitzdörfer
Das Problem In meinem Unternehmen hatten bislang nur die Abteilungsleiter und Geschäftsführer Blackberrys. Seit Kurzem gibt es eine Vereinbarung, dass auch normale Angestellte so ein Gerät haben dürfen. Vier von fünf Kollegen in meinem Team sind jetzt auch zu Hause online - ich bin der Einzige, der keinen Blackberry hat. Ich möchte keinesfalls immer erreichbar sein und verbringe sehr bewusst Zeit mit meiner Familie. Allerdings habe ich Angst, dass ich mich damit ins Abseits manövriere. Wie gehe ich am besten mit der Situation um?
Marc, 38 Jahre, Marketing
Anne Weitzdörfer   Anne Weitzdörfer
Annes Antwort Nehmen wir mal an, Sie bleiben bei Ihrer Position und besitzen dauerhaft keinen Blackberry. Während der Arbeitszeiten sind Sie erreichbar, danach sind Sie ausschließlich Privatperson. Und liefern sich abends in der Werbepause nicht noch heimlich ein kleines Mailbombardement mit den Kollegen. An dieser Stelle könnte ich Ihnen gratulieren. Für die strikte Trennung von Beruflichem und Privatem, Ihren klaren Standpunkt und die Stärke, mit der Sie diesen vertreten.
Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Sie am Morgen erst mal eine Stunde durch die Mails turnen müssen, bis Sie wieder auf dem Stand der Dinge sind. Was Sie zwangsläufig nicht nur faktisch, sondern vor allem gefühlt in Rücklage bringt. Wenn Sie morgens ins Büro kommen, wissen Sie nicht, worüber die Kollegen gerade sprechen. Und auch nicht, was der Chef Ihnen im Vorbeigehen zuwirft. Rechts überholt vom Alltag.
Wollen Sie das?
Die Alternative wäre, das Spiel einfach mitzuspielen. Los geht's: Künftig geben auch Sie nach dem Abendessen kurz Ihren Senf zu den neuesten Entwicklungen. Ist ja keine große Sache. So tragen Sie dank des roten Lämpchens dazu bei, dass bei den Kollegen auch vor der Glotze der Blutdruck nicht abfällt. Auch Präsenz und Aufmerksamkeit am Frühstückstisch werden völlig überschätzt. Dann wartet Ihre Tochter halt mit nassen Haaren vor dem Schwimmbad, weil Sie die Abholzeit nicht mitgekriegt haben. Kleine Kollateralschäden für die Erreichbarkeit. Kann man machen, muss man aber nicht.
Ich glaube, dass der goldene Mittelweg Ihrer ist. Dazu brauchen Sie weiter die konsequente Trennung von Job und Privatleben. Und natürlich ein mobiles Endgerät. Was Sie allerdings von Ihren Kollegen unterscheidet ist, dass Sie sich gerade nicht von der Dynamik endlosen Mailpingpongs zur Primetime anstecken lassen, sondern mit gutem Beispiel vorangehen. An normalen Abenden machen Sie das Gerät beim Verlassen des Büros aus und erst morgens wieder an. Und wenn Sie tatsächlich zu Hause arbeiten müssen, sagen Sie das vorher Ihrer Familie. So bleibt der Griff zum Blackberry bewusst, und Sie tappen nicht in die Erreichbarkeitsfalle. Führen Sie sich immer vor Augen: Es ist und bleibt Ihre Entscheidung!

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  • FTD.de, 16.01.2012
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