Ein Anwalt in seiner Kanzlei: In den Topsozietäten knirscht es gewaltig
So berichtet der Branchendienst The Lawyer, dass die Stundensätze der Partner aus den fünf renommierten "Magic Circle"-Kanzleien mit Stammsitz in London im vergangenen Jahr um durchschnittlich ein Drittel gesunken seien. Zu diesem elitären Kreis gehören neben Linklaters, Freshfields, Slaughter and May auch Allen & Overy und Clifford Chance. Letztere meldete für das am 30. April abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinnrückgang von 37 Prozent pro vollwertigem Equity-Partner - also einem am Grundkapital beteiligten Anwalt. Der weltweite Umsatz fiel um fünf Prozent. Man habe nicht an die letzten erfolgreichen Geschäftsjahre anknüpfen können, heißt es in der Kanzlei. Zu Cliffords Mandanten zählte unter anderem die Investmentbank Lehman Brothers.
Auch die Vollpartner von Allen & Overy traf es: Sie konnten im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 336 Mio. Pfund untereinander verteilen. Im Vergleichszeitraum im Jahr davor waren es noch 406 Mio. Pfund. Der Gewinn pro Equity Partner sank um neun Prozent.
Obendrein haben die deutschen Ableger beider Sozietäten derzeit mit Kündigungsschutzprozessen zu kämpfen. Weil ehemalige Top-Anwälte beider Kanzleien gegen ihre Entlassung klagen, kommt es derzeit in den Verhandlungssälen der Arbeitsgerichte in Düsseldorf und Frankfurt zu sehr speziellen Zusammenkünften von Spitzenjuristen: Sowohl die Kläger als auch die Beklagten in diesen Verfahren dürften Prädikatsjuristen sein. Und die am Richtertisch sowieso.
Allen & Overys Prozess vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ist bereits Ende September über die Bühne gegangen. Die Entscheidung firmiert unter dem Aktenzeichen 9 Ca 4149/09. Ein Kanzleisprecher bestätigt in dürren Worten, dass der Klage stattgegeben wurde. Allen & Overy muss die geschasste Anwältin vorerst weiterbeschäftigen. Die Kündigung, mit der die Kanzlei sie Ende April herauskomplimentieren wollte, ist jedenfalls unwirksam.