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24.02.2010, 10:36
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Recht + Steuern:
Das ändert sich bei den Bilanzen
Die Rechnungslegung steht vor Umwälzungen. Sie soll transparenter werden - aber auch komplizierter. FTD.de erläutert, was Unternehmen bei den Bilanzierungsstandards beachten müssen.
von Ute Göggelmann Frankfurt
Schon wieder eine Reform. Guido Fladt weiß, was das bedeutet: vor allem Überstunden. Bei seinen Mandanten, den Unternehmen, und in seiner eigenen Firma, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Vielen sei das nur noch nicht bewusst, sagt er.
Was auf die Unternehmen zukommt, ist gewaltig. Und eigentlich handelt es sich dabei nicht nur um eine Reform, sondern gleich um ein Dutzend. Zwölf neue Bilanzierungssstandards müssen in nur 18 Monaten umgesetzt werden. Die internationalen Regeln für die Rechnungslegung, die alle börsennotierten deutschen Unternehmen anwenden müssen, stehen vor der größten Umwälzung seit ihrer Einführung 2005.
Wer seine Blilanz nach den internationalen Standards schnell erledigen will, braucht viele Hände zum Rechnen
Im Kern geht es um die neuen "International Financial Reporting Standards" (Abkürzung: IFRS), die der internationale Bilanzrat (nicht minder kryptisch abgekürzt mit IASB) bis Mitte 2011 auf den Weg gebracht haben will. Schuld an dem Ruck-zuck-Prozedere ist die Finanzkrise: Sie hat einmal mehr gezeigt, wie mit legaler Bilanzkosmetik Anleger, Analysten, Ratingagenturen und Finanzaufseher von manchem Unternehmen zum Narren gehalten wurden. Jetzt sollen die neuen Spielregeln für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Bilanzen sorgen, die Investoren sollen künftig - dank eines neuen Standards - auf einen Blick erfahren, ob ein Industrieunternehmen mit seinen Finanzgeschäften mehr verdient als mit dem Absatz seiner Produkte.
Finanzieller Aufwand bei der Umstellung auf IFRS in %
Was der IASB gerade ausheckt, trifft Bilanz-, IT-, Investor-Relations-Experten, Controller und Juristen eines Unternehmens gleichermaßen. Zwar stellen börsennotierte Firmen in Europa ihre Konzernabschlüsse bereits seit 2005 nach IFRS auf, und auch viele Mittelständler richten sich freiwillig danach. Den grauen Eminenzen vom Bilanzrat reicht das aber noch nicht.
Dass eine Firma in ihrem Kerngeschäft weniger Gewinn macht als mit ihren Finanzdeals, war in der Vergangenheit nicht bei jedem Unternehmen so offensichtlich wie beim Sportwagenbauer Porsche: Der verdiente mit seiner VW-Beteiligung lange Zeit mehr Geld als mit dem Verkauf seiner Autos. Daher gibt es künftig einen neuen Standard für die Gliederung einer Bilanz, die Ergebnis- und die Kapitalflussrechnung. Diese muss künftig in den drei Kategorien Operating (operatives Geschäft), Investing (Investition) und Financing (Finanzierung) kenntlich gemacht werden.
Aktionäre und Analysten müssen sich auch darauf einstellen, dass sich durch die neuen Standards wichtige Kennzahlen ändern werden, die auf Umsatzgrößen basieren. Dazu gehören etwa der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und der Gewinn pro Aktie (EPS). Grund dafür ist, dass Unternehmen künftig sämtliche Leasingverträge im Jahresabschluss erfassen müssen. Obendrein müssen beim neuen Standard zur Umsatzrealisierung Garantien fortan nicht mehr durch die Bildung von Rückstellungen, sondern durch die Abgrenzung von Umsatzerlösen ausgegeben werden.
Bilanziert wird etwa künftig, was das Wertpapierportfolio am Bilanzstichtag wert ist und nicht mehr der Wert bei Kauf der Papiere. Vorrang hat also der Zeitwert. Und für einen Schadensersatzprozess, etwa in den USA, müssen künftig verschiedene Szenarien aufgestellt werden. Selbst wenn danach die Wahrscheinlichkeit, den Prozess zu verlieren, nur fünf Prozent betrage, sei eine Rückstellung fällig, sagt Guido Fladt. Bisher muss sie nur dann gebildet werden, wenn das Verlustrisiko vor Gericht mehr als 50 Prozent beträgt.
Teil 2: Mittel- und langfristige Prognosen werden schwieriger
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Aus der FTD vom 24.02.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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