Wissensdurst
Nach dem Willen der Union sollen Firmen auch dann profitieren, wenn sie aktuell Verlust machen. Und die SPD plant, F&E vor allem in kleinen und mittleren Betrieben zu fördern. Der kleinste gemeinsame Nenner also: Alle wollen es (außer den Linken), irgendwie. "Wir rechnen fest damit, dass die steuerliche Förderung in der nächsten Legislaturperiode eingeführt wird", sagt Gerd Romanowski vom Verband der Chemischen Industrie (VCI).
Bisher fördert Deutschland nur einzelne Projekte. "Das ist aber gerade für kleinere Unternehmen sehr aufwendig", sagt Romanowski. Sie müssten ihre Vorhaben detailliert beschreiben und dann einen Antrag beim Bundesforschungsministerium einreichen. "Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Forschungsgelder bei mittelständischen Unternehmen so kaum ankommen", sagt Steueranwalt Otter. Wegen des Kontrollaufwands lohne der Antrag oft schlicht nicht.
Allerdings brächte auch eine flächendeckende steuerliche Förderung dem Mittelstand wenig: Würden alle F&E-Ausgaben angerechnet, gingen 75 bis 80 Prozent der Steuerersparnis an Großkonzerne, schätzt Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. "Der gesamtwirtschaftliche Nutzen von F&E-Ausgaben bleibt zwar gleich, egal, ob sie bei Großkonzernen oder bei kleinen Betrieben anfallen", sagt der Volkswirt. "Aber die Politik fördert eben lieber kleine und mittlere Unternehmen als Dax-Konzerne."