30.06.2009, 13:22
Recht + Steuern: Kampf um die Mandate
So langsam nervt es: Besonders lästig seien diese ständigen Fragen zu Umweltschutz und sozialer Verantwortung, klagt ein Wirtschaftsanwalt.
von Katja Wilke (Berlin)
"Immer mehr Unternehmen erkundigen sich ausgiebig danach, bevor sie mit uns zusammenarbeiteten", so der Berater, der nicht namentlich genannt werden will. Welche Werte seine Sozietät denn vertrete, ob sie sich gesellschaftlich oder im Umweltbereich engagiere - die Fragen, mit denen Unternehmen auf sie zukämen, entfernten sich immer weiter vom eigentlichen Geschäftsbetrieb.
"Rechtsabteilungen verschicken zunehmend umfangreiche Fragebögen", sagt auch Michael Neumann, Leiter Geschäftsentwicklung bei der Sozietät Nörr Stiefenhofer Lutz. Hintergrund sei der Wunsch, in einem formalisierten Verfahren mit möglichst vergleichbaren Ergebnissen zu prüfen, welche Kanzlei den Auftrag am effektivsten erledigen könne.
Kanzleimanager fühlen sich deswegen nicht selten wie in einem Assessmentcenter. Die Kernpunkte der Fragenkataloge kreisen etwa um die Erfahrung, die die Anwälte der Kanzlei im jeweils gefragten Rechtsgebiet aufzuweisen haben - und immer stärker auch um die Honorargestaltung.
Der Lippenstift kann stecken bleiben: Kanzleien können sich jetzt allein durch günstige Stundenhonorare aufhübschen
Der Grund ist klar: Der Kostendruck auf Justiziare ist stark gestiegen. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Otto, Henning & Company zufolge müssen etwa im laufenden Jahr 35 Prozent der Rechtsabteilungen mit Budgetsenkungen kalkulieren - gegenüber 13 Prozent im Vorjahr. 50 Prozent der Chefjustiziare aus 150 deutschen Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Banken sind aktuell der Meinung, dass Kostensenkungen beziehungsweise -optimierungen zu den wesentlichen Herausforderungen zählen. 2007 glaubten das nur 15 Prozent.
Schönheitswettbewerbe oder Pitches - also Präsentationen, auf denen Kanzleien sich gegen Wettbewerber im Kampf um ein Mandat durchsetzen müssen - kennen Deutschlands Anwälte zwar schon seit den 90er-Jahren. Damals eroberten angelsächsische Kanzleien den deutschen Rechtsmarkt und mischten die verstaubte Branche auf. Die Krise verschärft diesen Trend nun aber deutlich.
Wirtschaftsanwälte reagieren gereizt auf die Sparmaßnahmen der Unternehmen: Es gehe Unternehmensjuristen nur darum, ihnen Druck zu machen und die Stundensätze zu senken, klagen viele. Das scheint nicht aus der Luft gegriffen: Immer wieder hatten Unternehmen in den vergangenen Jahren die Stundenhonorare ihrer Rechtsberater als exorbitant hoch kritisiert. Die Krise bietet nun die Gelegenheit, echte und vermeintliche Auswüchse zu korrigieren.
Teil 2: Ein Mandat ist längst kein Erbhof mehr
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Aus der FTD vom 30.06.2009
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