Der frühere VW-Personalvorstand Peter Hartz
Gerade im Topmanagement, sagt Schneider von der Uni Leipzig, wird Untreue häufig aus Überforderung begangen. Denn da sind die Täter oft durch Ämter, Ehrenämter, Vorstands- und Aufsichtsratsposten überlastet. Außerdem sind sie praktisch keiner Kontrolle ausgesetzt, weil sie selbst es sind, die die Abläufe kontrollieren.
Typisches Beispiel ist der von Schneider analysierte Fall einer Bank, die sich in einer schwierigen Umbruchsituation befand. Alte Geschäftsfelder waren weggebrochen, neue mussten gefunden werden. Wegen des hohen Innovationsdrucks ließen sich die Vorstände auf neue Geschäftsmodelle ein. Schnell, ohne gründliche Prüfung. Ein riskantes Geschäft. Wäre es gut gegangen, hätte man die Vorstände gefeiert. So aber landeten sie als Angeklagte vor Gericht.
Kontrolldefizite gibt es aber auch auf den unteren Ebenen. Vor allem bei Mitarbeitern, die eine hoch spezialisierte Aufgabe haben, bei der Kollegen nicht nachvollziehen können, was sie da eigentlich tun - in der IT beispielsweise oder beim Handel mit komplexen Finanzprodukten. Der Mitarbeiter entdeckt eine Lücke im System, und schon ist die Gelegenheit zum Diebstahl oder zur Unterschlagung da.