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08.01.2009, 07:56
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Recht + Steuern:
Moderne Zeiten für Berater
Die Steuerberater rätseln über die Zukunft ihrer Branche. Kleine Kanzleien gelten als Auslaufmodell. Online und Internationalisierung sind die Themen der Stunde.
von Jörn Petring
Ein bisschen stolz ist Ralf Müller von Baczko schon, dass er und seine Partner ausgerechnet am Reformationstag an den Start gegangen sind. Mit ihrer Internetplattform Steuerberaten.de wollen sie schließlich auch selbst ein bisschen reformieren und den immer noch altmodischen Steuerberatermarkt aufrütteln.
Aber Reformation ist eben auch keine Revolution. Wir schreiben das Jahr 2008, und nach Banken, Versicherungen, Apotheken und Pudelzüchtern haben es nun also auch die Steuerberater mit onlinebasierten Dienstleistungen ins Netz geschafft - besser spät als nie. "Wir wollen im Onlinebereich langfristig Marktführer werden und den Steuerberatermarkt verändern", sagt Müller von Baczko selbstbewusst.
Zukunftsvision mit Formular: Die Bürokratie wird Steuerzahlern wohl noch in 50 Jahren zu schaffen machen
Dass der Kölner Steuerberater die Zukunft lieber selbst in die Hand nimmt, hat seine Gründe: Die Branche steht vor einem Umbruch. In den nächsten zehn Jahren werde es eine Flut von neuen Gesetzen und Verordnungen geben, die es kleineren Kanzleien schwer machen werde, den Überblick zu behalten, prophezeit Jens Poll, Wirtschaftsprüfer bei Röver Brönner. Poll hat einen viel beachteten Vortrag beim Datev-Steuerberaterkongress in Nürnberg gehalten - zur Zukunft der Branche.
Hinzu komme die Internationalisierung. "Deutsche Mittelständler sind schon heute in aller Welt unterwegs", sagt Poll. Dass auch ihre Steuerberater global denken, werden Kunden immer mehr voraussetzen. Poll sieht nur einen Ausweg: In den nächsten zehn Jahren werden sich immer mehr Kanzleien zusammenschließen, um den zusätzlichen Arbeitsaufwand zu bewältigen. 2018 werde es neben den immer noch unangefochtenen Big Four Dutzende anderer Großberater geben, die national um Kunden konkurrieren, sagt Poll. "Konzentration ist ein Megatrend in der Beraterbranche."
Steuerberatungskanzleien nach Organisationsform
Ralf Müller von Baczko denkt ebenfalls im großen Rahmen. 30 Mitarbeiter hat er bisher, die Beratungs- und, wie er es nennt, "Erbsenzählerdienste" anbieten. Das seien schematische Leistungen wie das Erstellen von Jahresabschlüssen oder Steuererklärungen, das Alltagsgeschäft eines Steuerberaters eben. Hier kann gespart werden: Je mehr die Kunden auf Steuerberaten.de selbst mitanpacken, ihre Belege und Daten eigenständig ins System stellen, desto günstiger wird der gesamte Prüfvorgang.
Zusätzlich gibt es einen "Do it yourself"-Bereich mit Videos und Tools, der Besuchern alle möglichen Fragen zu Steuerthemen beantwortet. "Bisher versuchen Steuerberater, durch protektionistische Maßnahmen ihr Tagesgeschäft zu retten", sagt Müller von Baczko, der als nächstes den Aufbau eines großen Franchisesystems plant.
Teil 2: Nicht überall werden kleine Kanzleien als bedroht angesehen
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FTD.de, 08.01.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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