So liest sich die Kompetenzliste eines Tausendsassas: Umweltmanagement-Beratung, strategisches und operatives Marketing, Personalsuche und -führung, Marktforschung. Dazu Effizienzsteigerungen durch "Lean Consulting". Und - neben vielen weiteren Services - der Klassiker: Steuerberatung.
Wer das alles können soll? Der Steuerberater des Vertrauens natürlich. Im Moment erfindet sich die als öde geltende Branche neu: Jahresabschluss, Steuererklärung, Finanzbuchhaltung - das reicht nicht mehr. Betriebswirtschaftliche Beratung sei heute "Teil moderner Steuerberatung", heißt es auf der Website des Deutschen Steuerberaterverbands.
Der Grund für die Offensive ist, dass die Zunft derzeit gleich doppelt leidet: Der elektronische Austausch von Daten mit dem Finanzamt und billige Buchhaltungssoftware machen die Steuerberater in ihren alten Aufgabenfeldern überflüssig. Dazu kommt gerade jetzt in der Krise die Konkurrenz von Wirtschaftsprüfern, Steuerrechtsanwälten und Unternehmensberatern. Also suchen die Steuerberater neue Betätigungen in Revieren anderer Berufsgruppen. Und die finden das gar nicht lustig.
Andreas Bauer ist so ein Beispiel für das veränderte Selbstverständnis: Der 51-Jährige ist nicht nur niedergelassener Steuerberater im hessischen Langen, sondern auch noch ausgebildeter Wirtschaftsmediator und Fachberater für Sanierung und Insolvenzverwaltung. "Den Steuerberatern wird seit Jahrzehnten erzählt, dass sie auch für umfassende betriebswirtschaftliche Beratung prädestiniert seien. Aber jetzt erst wächst bei vielen Kollegen das Interesse daran", sagt er. Sie müssten sich gerade in der Wirtschaftskrise vor dynamisch auftretenden Unternehmensberatern nicht verstecken. "Wir haben einen enormen Wissensvorsprung. Wir sind näher und dauerhafter an den Mandanten dran, als ein Unternehmensberater das sein könnte. Und wir haben immer die aktuellsten Zahlen zur jeweiligen Situation der Firma."
Mit diesem neuen Selbstbewusstsein wollen er und seine Kollegen nicht länger zusehen, wie taumelnde Unternehmen hektisch Know-how einkaufen. "Externe Unternehmensberater kommen kurzfristig in den Betrieb und krempeln die Abläufe nach ihren Rezepten um, sehr oft ohne nachhaltige Strategie. Die könnte aber der Steuerberater entwickeln, wenn er entsprechend fachlich fit ist. Denn er berät nachhaltig und langfristig", wirbt Bauer für seinen Berufsstand. Das macht er auch deutschlandweit in Vorträgen zu neuen Perspektiven für Steuerberater - vor immerhin schon 2500 Kollegen habe er in den vergangenen vier Jahren doziert.