Hot or not - heiß oder nicht? Wer das Urteil der Massen hören will, kann sich auf der gleichnamigen Internetseite bewerten lassen - anonym und nur anhand von Äußerlichkeiten. Auf einer Skala von null bis zehn wird jedermann per Mausklick gerichtet. Nach Angaben der Betreiber machen Hunderttausende dabei mit.
Im Vergleich dazu wirkt das neue Projekt der deutschen Finanzverwaltungen schon fast intim: Nur 85.000 Steuerberater sowie die Beratungsstellen der Lohnsteuerhilfevereine sollen die Finanzämter in den kommenden Wochen online bewerten. In diesen Tagen bekommen sie alle einen Brief mit einem persönlichen Zugangscode. Der dient der Identifizierung bei der größten Umfrage zur Zufriedenheit mit dem Finanzamt, die es je gab.
Die Onlinebefragung ist die erste bundesweit einheitliche Aktion dieser Art. Initiatoren sind die obersten Finanzbehörden von Bund und Ländern. "Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt", sagte der baden-württembergische Finanzminister Willi Stächele (CDU) bei der Vorstellung des Projekts, das sein Haus federführend betreut. Die Internetseiten Steuerberaterbefragung.de und Lohnsteuerhilfebefragung.de sind deshalb vom 15. September bis Silvester freigeschaltet.
Die Studie biete die Chance, "bestehende Strukturen und Prozesse von allen Seiten umfassend zu beleuchten", heißt es im Informationsmaterial zu der Umfrage. Ziel sei, "die Zufriedenheit der Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine mit ihren Finanzämtern zu messen, Missstände aufzudecken und Impulse für die Optimierung der Zusammenarbeit und der Arbeitsabläufe zu gewinnen". Das Finanzamt, bei dem die Steuerberater im nationalen Vergleich die höchsten Erstattungen für ihre Mandanten herausholen, soll dann trotz aller Kundennähe aber doch nicht ermittelt werden.
Den Behörden kommt es viel mehr auf die weichen Faktoren an. Die Steuerberater sollen an maximal fünf Finanzämter, mit denen sie zu tun haben, in verschiedenen Servicedisziplinen Schulnoten vergeben. Daneben gibt es noch konkrete Fragen zu den Abläufen und der Qualität der Zusammenarbeit - etwa ob die Finanzbeamten freundlich, höflich und kompetent sind oder ob Beanstandungen schnell und einheitlich abgearbeitet werden.
Die Teilnehmer sollen ihre Kritik dabei anonym kundtun dürfen. Damit könnte das Onlineformular also auch zum Frustventil für genervte Steuersparhelfer werden. Baden-Württembergs Finanzminister Stächele warb daher schon einmal vorsorglich um die Sympathien der Berater:"Gerade in Zeiten der Krise ist eine gute und gedeihliche Zusammenarbeit mit den steuerberatenden Berufen für uns besonders wichtig." Die Finanzverwaltung verstehe sich daher auch "als Servicebetrieb für die steuerberatenden Berufe und die Bürgerinnen und Bürger".