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Merken   Drucken   28.10.2008, 11:03 Schriftgröße: AAA

Recht + Steuern: Treuebonus für Mandanten

Unternehmen gehen an ihre Anwaltskosten. Sie sind nicht mehr bereit, extreme Honorare zu zahlen. Und erwarten von ihren Kanzleien Zugeständnisse. von Nicola de Paoli
Das ging selbst den Richtern am britischen High Court zu weit. Die Kanzlei Allen & Overy hatte ihren Mandanten, den Blackberry-Hersteller RIM, in einer Patentstreitigkeit vertreten - und gewonnen. Dafür stellten die Anwälte stolze 5,18 Mio. Pfund in Rechnung. Allein zwei Associates sollen nach der Abrechnung über einen Zeitraum von 15 Monaten 4500 Stunden im Wert von rund 4 Mio. Pfund gerackert haben. Die Richter reagierten skeptisch. Für eine solche Summe könne man erwarten, dass die Associates jedes Dokument auswendig aufsagen könnten, meinten sie und bezeichneten die Kosten schlicht als "unnötig".
Zwar beschäftigen sich die Gerichte nur selten mit extremen Honorarausreißern. Das bedeutet aber nicht, dass sich Unternehmen alles gefallen lassen, was ihnen die Kanzleien zur Abrechnung vorlegen, im Gegenteil: Viele Firmenjustiziare sind in Sachen Anwaltskosten selbstbewusster geworden. Sie sind nicht mehr bereit, einen Stundensatz von 450 Euro für einen Associate oder 600 Euro für einen Partner zu zahlen. "Kostenreduzierung in der Rechtsabteilung ist für uns genauso wichtig wie für unsere Kollegen in der Verwaltung oder in der Produktion", sagt Mark Elborne, Rechtsabteilungsleiter von General Electric (GE) Europe.
Punkte sammeln: Anwaltskanzleien gewähren ihren Stammkunden ...   Punkte sammeln: Anwaltskanzleien gewähren ihren Stammkunden mitunter kräftige Rabatte
Oft gehen die Vorstellungen von Unternehmen und Kanzlei noch auseinander. Internationale Großkanzleien versuchen beispielsweise, bei ihren Mandanten in Deutschland dieselben Maßstäbe anzulegen, die sie aus Großbritannien oder den USA gewohnt sind: Während im deutschen Recht vieles im Gesetz geregelt ist, wollen die Anwälte nach angloamerikanischem Muster jedes eventuelle Risiko von vornherein im Vertrag niederlegen. "Das entspricht dem Rechtsverständnis und auch einer gewissen Anwaltshörigkeit, die in Großbritannien und den USA vorherrscht", sagt Johann Stachow, Leiter der Rechtsabteilung des Baustoffherstellers Xella.
Und so können mit den Seiten des Vertrags auch schnell die Anwaltskosten in die Höhe schnellen, wenn die Unternehmensjuristen den externen Beratern allzu freie Hand lassen. "Der Umfang der Arbeit muss stetig abgesprochen werden", sagt Christian von Spiegel, Leiter der Rechtsabteilung beim Biotechunternehmen Evotec.

Teil 2: Vorgemacht hat es der amerikanische Chemiekonzern DuPont

  • Aus der FTD vom 28.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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