Streichliste: Insgesamt haben Kanzleien mit Hauptsitz in London fast 2800 Entlassungen angekündigt
Clifford Chance plant ein radikales Programm, um sich gesundzuschrumpfen, gab David Childs, Managing Partner in London, bekannt. Die Krise muss schwer sein, denn es könnte auch den Equity Partnern, also den Miteigentümern der Sozietät, an den Kragen gehen: Man werde, so Childs, "Form und Größe der Partnerschaft" überprüfen.
Bei den Mandanten kriselt es, und Clifford kriselt mit: "Wir müssen uns als Dienstleister selbst fragen, ob wir in den Teilbereichen richtig positioniert sind", sagt Childs' deutsches Pendant Hans-Josef Schneider. "Wir überprüfen in allen Regionen, in allen Rechtsgebieten, ob wir die richtigen Talente mit der richtigen Expertise an der richtigen Stelle haben." Wer sich an der falschen befindet, muss gehen - im Zweifel auch Partner in Deutschland.
Für Clifford könnte es sich nun rächen, dass die Sozietät als führende Beraterin von Banken gilt. Nicht umsonst ist das Büro in London vor gut acht Jahren auf die Canary Wharf gezogen, wo viele Großbanken ihren Sitz haben, unter anderem Lehman Brothers. Und nicht nur bei den Bankmandaten ist derzeit Totentanz. Auch "im Immobilienbereich ist im Moment super wenig los", sagt ein Branchenkenner.
Derzeit tourt Childs durch die Clifford-Büros weltweit, um den Partnern das Sparprogramm zu verkaufen. Bis Anfang März haben die Anwälte Bedenkzeit, in der zweiten Monatshälfte wird darüber abgestimmt. Für die überflüssigen Partner wird es zumindest bei Clifford kaum Alternativen geben: Eine Rückstufung in den Status eines "Salary Partner" - der ein Fixgehalt bezieht -, sei allenfalls ausnahmsweise möglich, sagt Schneider. "Eher bittet man die Leute zu gehen", heißt es in der Kanzlei.