Jedes größere Unternehmen, das etwas auf sich hält, hat mittlerweile einen Ethikkodex verabschiedet. Korruption, Schmiergelder, Preisabsprachen, das alles darf es nicht mehr geben. Langt ein Kollege doch daneben, nehmen die Saubermänner aus der Compliance-Abteilung seine Spur auf. Dafür sind die Korruptionsjäger aber auf Tipps aus der Belegschaft angewiesen. Whistleblowing-Hotlines werden geschaltet. Und jetzt, da die erste große Compliance-Welle über die deutsche Wirtschaft herübergeschwappt ist, zeigen sich die Tücken im Detail. Wie erkennt man eigentlich Denunziationen?
"Anonyme Mitteilungen haben zur Folge, dass die Unternehmenskultur massiv leidet", meint der Hamburger Rechtsanwalt Oliver Pragal. "Es gibt eben auch Ränkespiele." Am besten, so Pragal, führt die Whistleblowing-Hotline in eine Anwaltskanzlei. Der Advokat sollte dann ein persönliches Gespräch verlangen. "Jemand, der denunzieren will, wird diesen Weg nicht gehen", meint Pragal. Im Angesicht eines Anwalts wird ungern gemobbt.
Christian Klahold sieht das gelassen. Jede Anzeige durchlaufe erst mal den Plausibilitätscheck, sagt der Compliance-Officer von ThyssenKrupp Elevator. Wie häufig ist auch hier gesunder Menschenverstand hilfreich. Zeige ein Mitarbeiter an, dass der Vorgesetzte seinen Hund schlage, dann werde das nicht weitergegeben. Man merke, sagt Klahold, ob da jemand Klamotten waschen wolle, die 20 Jahre alt sind.
Meist sind es ohnehin bruchstückhafte, kürzere Tipps, die über eine Whistleblowing-Hotline abgesetzt werden. "Das macht es einfacher, sie einzuschätzen", sagt Klahold. Den Kronzeugen, der über die Whistleblowing-Hotline den Riesenskandal aufgedeckt hat, gab es bei ThyssenKrupp noch nicht. Je detaillierter die Infos sind, desto eher merken Compliance Officer wie Klahold auf - etwa wenn von Managementfehlern die Rede ist.