Ihre gemeinsame Forderung haben die Wohlhabenden auf eine schlichte Formel gebracht: Wenn Menschen mit einem Vermögen von über 500.000 Euro zwei Jahre lang fünf Prozent von dem überschießendem Betrag abgeben, könnten rund 100 Mrd. Euro zusammenkommen. Das wäre der erste Schritt. "Das Geld soll zielgerichtet für Bildung, Soziales und Umwelt angewendet werden. Danach soll die Vermögensteuer wieder eingeführt werden, die 1997 abgeschafft wurde. Das ist nachholende Gerechtigkeit", sagt Peter Vollmer, ein Mitglied der Initiative.
Vollmers Sätze passen zum Ambiente: Ein Gartenhäuschen in einem Berliner Hinterhof, es sind die Räume von Vollmers "Stiftung für Menschenwürde und Arbeitswelt." In den Regalen Aktenordner, an den Wänden Aktionsplakate: Für Demos, gegen Sozialkahlschlag. Es gibt Lebkuchen und Instantkaffee. Man fühlt sich an ein Asta-Büro erinnert.
Lehmkuhl und Vollmer sitzen auf durchgesessenen Sofas, sie spulen Argumente ab und sehr viele Zahlen: 2,2 Millionen reiche Deutsche, denen ihre Ideen kaum wehtun würden; sie alle gehören zum oberen Fünftel der Gesellschaft, das zwar 70 Prozent der Einkommensteuer zahlt, aber nur ein Drittel des gesamten Steueraufkommens einbringt. Lehmkuhl findet das ungerecht. Er findet es ungerecht, dass sein Arbeitseinkommen in den Jahren 2000 bis 2007 leicht sank, während die Erträge seines Erbes wuchsen und wuchsen, nein, sie verdoppelten sich im gleichen Zeitraum! Er rezitiert den steigenden Gini-Koeffizienten, der die Ungleichverteilung von Vermögen misst; er spricht über die Kindersterblichkeit in Afrika und die unehrliche Debatte über die Besteuerung von Reichen in Deutschland.