Die verleumderischen Aussagen hat der Komiker Sacha Cohen in die Welt gesetzt, der mit seinem morgen startenden Film "Borat" ein arg schräges Kasachstan-Bild vermittelt.
Wenn Gästen in Kasachstan etwas zu trinken angeboten wird, sollten sie allerdings nicht erleichtert seufzen: "Ah, zumindest kein Pferdeurin." Kasachstan ist zwar seit anderthalb Jahrzehnten souverän, aber an Souveränität im Umgang mit Kritik - oder Humor - hapert es. Das Land laboriert an seinem Image als verbissen um internationale Akzeptanz ringendes Regime mit einem Autokraten an der Spitze.
Kasachstan zählt ohne Zweifel zu den boomenden Schwellenländern und punktet mit seinem Rohstoffreichtum. Das Bruttoinlandsprodukt wächst jährlich um neun Prozent, in keinen der Nachfolgestaaten der Sowjetunion fließen mehr ausländische Direktinvestitionen, das Rating steht auf derselben Stufe wie Russland und Mexiko.
Ein Blick hinter den Ural lohnt sich also. Das bestätigt auch das "Managerhandbuch Kasachstan", der erste deutschsprachige Wirtschaftsführer für das zentralasiatische Land. Ganz klassisch skizziert das Autorenteam die Region und seine wichtigsten Wirtschaftszweige, gekoppelt mit konkreten Einstiegstipps für potenzielle Investoren.
Die größte Stärke des Handbuchs sind die spannenden Essays von Managern deutscher Unternehmen, die den Einstieg in Kasachstan bereits geschafft haben. Jochen Wildenhain von der Bankgesellschaft Berlin analysiert das Bankensystem. ThyssenKrupps Mann vor Ort, Klaus Beyer, gibt Tipps zum Umgang mit einheimischen Partnern. Und Heiner Hamm freut sich über das "hervorragende Investitionsklima" für Knauf Bauprodukte: "Wir entwickeln den Markt".
Die Autoren empfehlen einhellig, den Schritt nach Kasachstan zu wagen, trotz einer Mentalität, bei der ein Nein selten ausgesprochen, viel eher ausgesessen wird, ein "Draht nach oben" fast alles ist und man Geschäfte schon mal in der Sauna besiegelt. Trotz der mangelnden Übersichtlichkeit ein inhaltlich gelungener Mix aus Insiderwissen und Basisinformationen.
Managerhandbuch Kasachstan Otto H. Hammer, Claudia Winkler, Ulf Seegers (Hg.) | 196 S. | Kess 2006 | 19,90 Euro | ISBN 300019567x.