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Neue Ideen zur Unternehmensführung, wirtschaftspolitische Analysen oder Porträts von Firmen und Entscheidern: FTD-Online stellt in ausführlichen Rezensionen die interessantesten Wirtschaftsbücher auf dem deutschen und dem englischsprachigen Buchmarkt vor.

Merken   Drucken   31.10.2006, 12:41 Schriftgröße: AAA

Der Ingenieur als Künstler  

Steve Wozniak hat die ersten Apple-Computer zusammengelötet. Doch als der Erfolg kam, verdrückte er sich. Jetzt meldet sich "Woz" zurück. von Sven Nagel
Steve Wozniak sitzt in einem Café in der Berliner Friedrichstraße und sprüht sich Halsspray in den Rachen. "Heiser", entschuldigt er sich. Seit Wochen tourt er durch die Welt. Er hat etwas richtigzustellen. Wozniak gilt als Vater des Personal Computers. Er ist Mitgründer der Firma Apple, hat deren legendäre erste Modelle im Alleingang entworfen und buchstäblich selbst zusammengelötet: den Apple I und den Apple II, den ersten Homecomputer mit Tastatur, Bildschirm, integriertem Diskettenlaufwerk, Schnittstellen für Drucker und andere Peripheriegeräte, erstmals verkauft im Jahr 1977.
Ein legendäres Jahr. Wozniak hat jetzt eine Autobiografie geschrieben, um aufzuräumen mit diesen Legenden. "Ich habe alle diese Geschichten über Apple gelesen. Die meisten liegen völlig daneben, wenn es um die Anfänge geht, wer damals was getan hat. Ich wollte klarstellen, woher die Ideen wirklich kamen." Nämlich von ihm.
Wozniak, oder Woz, wie ihn seine Freunde nennen, war Mitte 20 und als Ingenieur bei Hewlett-Packard angestellt. Nach Feierabend bastelte er in der Garage von Steve Jobs an einer Revolution. Der fünf Jahre jüngere Jobs, - selbstbewusst, eloquent und auf Erfolg aus bis an den Rand des Größenwahns - erkannte als Erster, was sein Kumpel da zusammenschraubte.
Der Rest ist Geschichte. Am 12. Dezember 1980, nur viereinhalb Jahre nach Gründung, ging Apple an die Börse. Schon am ersten Tag stieg der Börsenwert auf 1,8 Mrd. $. Wozniak und Jobs waren auf einen Schlag Multimillionäre.
Vier Jahre später verließ Wozniak Apple, als der Hippie-Spirit aus den Garagentagen unter der Übermacht von Quartalszahlen verpufft war. Es gab keinen Platz mehr für Woz, den Tüftler, den Idealisten. Er war, ist und bleibt ein Freak, ein großes Kind. Ein Computer-Nerd, der nie etwas anderes wollte, als den perfekten Rechner zu bauen und die Welt damit beeindrucken. "Ich wusste, dass meine Platinendesigns so gut waren, dass niemand sonst auf der Welt sie so gut und so günstig würde bauen können", sagt Wozniak heute. "Aber ich habe nicht an ein Produkt gedacht, das man verkaufen könnte."
Der Ingenieur als Künstler, der seine Erfindung im Kopf entstehen lässt und im Alleingang in die Welt setzt. Das ist die Utopie von Steve Wozniak, der er in seinem Buch viel Raum einräumt. "iWoz" ist insofern eine Mischung aus biografischer Erinnerung, Elektroniklehrbuch und Historie der frühen Tage des PC-Zeitalters. Die Utopie, beharrt er, habe nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. "Es gibt viel zu tun für junge Erfinder - insbesondere für neue Internetapplikationen", predigt Wozniak. "Setzt euch hin, und macht es allein. Als Ergebnis werdet ihr genau das erreichen, was ihr wollt, ohne dass es vollgestopft ist mit anderer Leute Müll."
So wie es Apple angestrebt hat. Bis heute bleibt der Apple-Mitarbeiter mit der Ausweisnummer eins (Jobs hat die Nummer null) der loyalste aller Apple-Veteranen: "Vom ersten Tag an ging es darum, Computer zu bauen, die gut aussehen und einfach zu bedienen sind. Die Produkte halten ihr Versprechen. Wir wollten immer einen Schritt vor den anderen sein und haben diesen Geist bewahrt, weil Apple eine eigene Kultur hat und eine Fangemeinde, die den Produkten die ganze Zeit über treu geblieben ist. Diese Kultur verschwindet nicht so schnell." Das habe auch mit Steve Jobs zu tun, über den Woz kein schlechtes Wort zu entlocken ist. "Es gab schwierige Zeiten, zum Beispiels als Steve Jobs nicht mehr CEO war. Ich bin so froh, dass er zurück ist und Apple wieder so erfolgreich wie früher."
Wozniak bleibt der Good Guy, der lieber Gutes tut, als schlecht über andere zu reden. "Ich kenne diese Geschichten, wie Steve die Leute schlecht behandelt haben soll. Mich hat er nie so behandelt", sagt er und sinniert: ". Vielleicht braucht es diese Härte, um dein Leben und dein Geschäft auf die Reihe zu kriegen und die Welt zu verbessern."
Hat er, Woz, diese Härte? "Nein, ich gehe allen Konflikten aus dem Weg. Gibt es Streit, verschwinde ich, habe meinen Frieden und bin glücklich." Entsprechend wenig bedeutet Woz geschäftlicher Erfolg. Die beiden Unternehmen, die er nach Apple gründete, gingen den Bach runter. Mit den ehemaligen Apple-Vorständen Gil Amelio und Ellen Hancock hat er jetzt den Technologie-Investor Acquicor gegründet. Auf deren Website wird Wozniak geführt als "Philanthrop", also Menschenfreund. Nicht falsch, aber wie lautet das griechische Wort für Maschinenfreund?

iWoz Steve Wozniak | Hanser 2006 | 250 S. | 19,90 Euro | ISBN 3446404066
  • Aus der FTD vom 31.10.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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