Aus ihren Büchern spricht Erstaunen über eine diffuse Debatte, die nicht weiß, was sie will. Den allergischen Schock überwinden, das schon, denn Elite, das geht nicht.
Warum Elite in Deutschland ein Reizthema bleibt, arbeiten beide Bücher schnell heraus: Der Begriff steht für soziale Ungerechtigkeit. Diesen Reflex gelte es zu überwinden, fordert der Soziologe Heinz Bude. Er fragt nach dem "Selbstbewusstsein der deutschen Elite" und ihrer "Fähigkeit zur Orientierung angesichts einer ungewissen Zukunft". Antworten hört er nicht. Denn wer bitte schön ist denn Elite? Nie, wer sich selbst dafür hält, sagte 2003 der damalige Bundespräsident Johannes Rau, dem graute vor einer "selbst ernannten Elite".
Sogar Textilreinigungen, Nagelstudios und Haarsalons ernennen sich heute selbst. So einfach, sorry, ist es nicht. Der Berliner Publizist Malte Herwig sieht eine Wissenselite heranwachsen, "die durch kritischen Umgang mit den neuen digitalen Medien zu ihren mündigen Nutzern geworden ist". Die neuen Bildungsbürger befinden sich in einem "fortwährenden Prozess des Auswählens und Ausgewähltwerdens", gesichert ist ihr Status also nie.
Diesen Ball nehmen Vogelsang und Gushurst, Partner der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, gern auf. Sie wollen zeigen, wie Elite gelebt werden kann, und sammeln dafür in "Die neue Elite" eine Vielzahl von Beiträgen. Es bleibt die Erkenntnis, die Malte Herwig formuliert: "Wir brauchen eine Bürgergesellschaft, in der wir alle zu Citoyens werden und gemeinsam an einem Strang ziehen, anstatt uns in unsere statusversessene Nischenexistenz zu verkriechen und unsere Besitzstände zu hüten. Wenn jeder sein Bestes gibt, dann gehören wir alle zur Elite." Johannes Rau wäre entzückt.
Die neue Elite. Deutschlands Weg zurück an die Spitze Klaus-Peter Gushurst, Gregor Vogelsang | Wiley-VCH 2006 | 200 S. | 29,90 Euro | ISBN 3527502017.
Eliten in einer egalitären Welt Malte Herwigwjs | 2005 | 192 S. | 18 Euro | ISBN 3937989110.