Porsche-Chef Wendelin Wiedeking
Wut auf selbst ernannte Wirtschaftsexperten, die seine Strategie nicht verstehen wollen. Wut auf die Politik, die bei all dem internen Gezänk keine vernünftige Reform zustande bringt und keine Sehnsucht nach fernen Zielen entfachen kann. Doch die meiste Wut entwickelt Wendelin Wiedeking, wenn er die Sprache auf die blinden Jünger des angloamerikanischen Kapitalismusmodells und ihr Faible für Shareholder-Value, Quartalsberichte und Stock Options bringt.
Die drei Begriffe ziehen sich wie ein roter Faden durch Wiedekings Polemik "Anders ist besser". Anders als die angloamerikanischen Vorbilder, heißt das. Da verkümmere Management zum kurzfristigen Ad-hoc-Handeln, beklagt der
Porsche -Chef. Bei Hedge-Fonds würden im Extremfall alle paar Stunden strategische Entscheidungen umgeworfen - schließlich müssen in jedem neuen Quartal die Zahlen noch besser aussehen als im vorherigen. An langfristige Planung ist da nicht zu denken.
Für Unternehmenslenker, die sich dem Diktat des Aktienkurses und damit den Interessen einer einzigen Gruppe (den Aktionären) unterworfen haben, hat Wiedeking nicht viel übrig. Für ihn verkommt Shareholder-Value vollends zur Farce, wenn der Aktienwert - also das Vermögen der Eigentümer - zur Kenngröße für das Einkommen der Manager wird. Wie kann es sein, fragt Wiedeking, dass das Einkommen des Managements steigt, nur weil Kosten gesenkt und Arbeitsplätze gestrichen werden?
Erfolgreiches Management vor allem einer Premiummarke sei mehr als nackte Kostenkontrolle. Wiedeking weiß, wovon er spricht. Er übernahm den schwäbischen Autobauer, als der in einer existenzbedrohenden Krise steckte. Mit für Deutschland damals revolutionären Methoden brachte der neue Chef Porsche zurück in die Erfolgsspur. Doch die Krise hat der Manager nicht vergessen.
Dem Shareholder-Value setzt Wiedeking das Modell des Familienunternehmens entgegen - wobei er betont, dass es nicht um die Form, sondern um die gelebten Grundsätze und Werte geht: langfristiges Planen nicht über Quartale, sondern über Generationen hinweg. Unternehmensführer, die zu ihrer sozialen Verantwortung stehen und Vorbilder für ihre Mitarbeiter sind. Menschen, die eingreifen, wenn etwas nicht funktioniert: "Es geht letztendlich um Verantwortung", schreibt Wiedeking. Wie bei Toyota, Peugeot, BMW und Porsche stehe hinter vielen erfolgreichen Autokonzernen eine engagierte Eigentümerfamilie.
Wenn Unternehmen langfristig erfolgreich sein wollen, müssten sie das Shareholder-Value-Prinzip auf den Kopf stellen, sagt Wiedeking: Erst kommt der Kunde, denn der gibt das Geld. Dann kommen die Mitarbeiter. An dritter Stelle kommen die Partner, also Zulieferer und Dienstleister. "Erst wenn diese drei Ebenen funktionieren, hat auch der Aktionär etwas davon." Nur wenn der Kunde im Mittelpunkt stehe, sei der Aufbau eines glaubwürdigen Markenimages möglich.
Das bedeutet, dass der Hersteller einer teuren Premiummarke viel mehr als nur exzellente Ingenieurskunst abliefern muss. Anders zu sein, anstatt sich von anderen hetzen zu lassen ist Wiedekings Credo. Jede Managemententscheidung müsse daraufhin überprüft werden, ob sie der Marke schaden könnte.
Das alles hat Wiedeking schon oft gesagt und meist eleganter oder zumindest mitreißender formuliert als hier. Eine Pflichtlektüre ist seine Generalabrechnung trotzdem.
Anders ist besser Wendelin Wiedeking | Piper 2006 | 236 S. | 19,90 Euro | ISBN 3492049494