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  FTD-Serie: Wirtschaftsbücher

Neue Ideen zur Unternehmensführung, wirtschaftspolitische Analysen oder Porträts von Firmen und Entscheidern: FTD-Online stellt in ausführlichen Rezensionen die interessantesten Wirtschaftsbücher auf dem deutschen und dem englischsprachigen Buchmarkt vor.

Merken   Drucken   26.12.2006, 10:37 Schriftgröße: AAA

Selbst die beste aller Welten kann noch besser werden  

Zwar ist seit Gottfried Wilhelm Leibniz geläufig, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, und trotzdem kommen immer wieder Zeitgenossen, denen ist das Beste nicht gut genug. Eine noch bessere Welt sei möglich, so behaupten sie. von Ralf Hanselle
Dieser Optimierungswahn hält indes nicht nur Revolutionäre auf Trab, er bringt auch die Fortschrittsmühlen des Kapitalismus zum Laufen. Der Wunsch nach Veredelung ist es schließlich, der Innovation und Wachstum schafft. Doch die Kraft, die stets das Beste will, ist allzu oft die, die am Ende nicht einmal das Gute schafft. Der globalisierte Kapitalismus jedenfalls birgt in sich auffällige Tücken.
Christian Felber, Mitbegründer von Attac-Österreich, hat daher ein Buch geschrieben, mit dem er der neoliberalen Denke ins Räderwerk greifen will. So, wie es wird, muss es nicht bleiben, hat sich der Autor gedacht und seinem Werk den pragmatischen Titel "50 Vorschläge für eine gerechtere Welt" gegeben. Für Felber ist klar: der monotheistisch vergötterte Kapitalismus ist nicht notgedrungen ein Gott irdischer Ungerechtigkeiten und sozialer Sudelei. "In der aufgeklärten Demokratie", so Felber, "ist auch die Wirtschaft ein Teil der res publica, also Gestaltungsgegenstand und kein metaphysisches Ereignis."
Jegliches Wirtschaften habe sich daher durch ökologische Nachhaltigkeit, Demokratisierung und soziale Sicherheit auszuzeichnen. Wie so etwas konkret aussehen könnte, davon handeln die 50 Vorschläge des thematisch gegliederten Buchs. Globale Besteuerung, Entschuldung oder die Einführung einer Grundsicherung sind dabei nur einige Punkte, die Felber in den Sinn kommen, denkt er an die Vervollkommnung des Daseins. Viele dieser Aspekte sind bereits mehrfach von der Bewegung der No Globals als Heilmittel gegen weltweite soziale Missstände gepriesen worden. Indes: Man würde Felber Unrecht tun, läse man seine Offerten einzig als die bekannten Fahrpläne nach Utopia. Vielmehr will er sein Buch schlicht als Anregung verstehen.
Auf kurze und oft treffende Analysen ökonomischer Gegebenheiten lässt er jeweils mehrere Alternativszenarien folgen. Darin fließen sowohl abstrakte Überlegungen von Denkern wie Elmar Altvater oder Joseph Stiglitz ein als auch Konzepte etwa von Kleinbauerninitiativen aus Lateinamerika.
Doch trotz all der kleinen Schritte und Gedankengänge: Letztlich geht es Felber ums Ganze, um die Erziehung eines Homo socialis, der den ökonomisch ausgerichteten Menschen beerben könnte. Da Erziehung aber Normen braucht, ist Felber kein Anhänger von Freihandel und Wettbewerb, sondern von Regulierung und rechtsstaatlichen Instrumentarien. Diese sollen nicht mehr nur national, sondern zunehmend auch global Anwendung finden. Ob Welt-Finanzamt oder Welt-Kartellbehörde: Immer setzt Christian Felber bei der Umsetzung der besseren Welt auf die Uno.
Hier aber liegt eine von zahlreichen Schwächen seiner Vorschläge. So löblich es ist, die herrschenden Mythen auf ihre Richtigkeit hin abzuklopfen, so falsch wäre es, sie durch Legenden über die Uno-Organisationen Unced oder die Unesco zu ersetzen. Wer transnationale Konzerne mittels supranationaler Behörden beschneiden will, treibt vielleicht schon bald den Teufel mit dem Beelzebub aus. Gerechtigkeit und Demokratisierung sind letztlich jedenfalls nicht durch die Oberaufsicht einer Organisation zu erreichen, die immer wieder durch Handlungsunfähigkeit und vordemokratische Entscheidungsfindungen auffällt.
Dort, wo Demokratien und Diktaturen um Wahrheiten ringen, kann nicht das Forum von Citoyens und Weltbürgern sein. Auch die bessere Welt, so scheint es, ist mindestens so schlecht wie die kleinen Schurken und Despoten, die ihr angehören.
50 Vorschläge für eine gerechtere Welt Christian Felber | Deuticke 2006 | 336 S. | 19,90 Euro | ISBN 3552060405.
  • Aus der FTD vom 26.12.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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