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  FTD-Serie: Wirtschaftsbücher

Neue Ideen zur Unternehmensführung, wirtschaftspolitische Analysen oder Porträts von Firmen und Entscheidern: FTD-Online stellt in ausführlichen Rezensionen die interessantesten Wirtschaftsbücher auf dem deutschen und dem englischsprachigen Buchmarkt vor.

Merken   Drucken   05.07.2005, 18:50 Schriftgröße: AAA

Wenn die Ethik auf den Druck des Markts trifft  

Wie und wo lässt sich ethisch arbeiten? Und dabei erfolgreich? Geht das überhaupt zusammen? Mit diesen Fragen im Gepäck machten sich die US-amerikanischen Wissenschaftler Howard Gardner, Mihaly Csikszentmihalyi und William Damon auf die Suche nach Antworten, auf die Suche nach "Good Work". von Rosemarie Fiedler-Winter
Dafür wählten sie zwei Berufsfelder aus, die als moralisch fragwürdig geltende Genforschung und den moralwächterischen Journalismus. Die überraschende Erkenntnis: "Im Bereich der Genforschung erschien es relativ unproblematisch, ,gute Arbeit‘ zu leisten", schreibt das Autorentrio. Genforscher hätten ein gemeinsames Ziel: Leben zu retten, wenn nicht gar neu zu schaffen. Die Ziele der Journalisten dagegen sind breit gestreut.
Das aber ist nur der Startpunkt der Untersuchung. Dann kommt der Markt ins Spiel - und plötzlich ändert sich alles.
Gardner und seine Co-Autoren sprechen von "außer Kontrolle geratenen Experimenten" mit Todesfolge und vom "Motiv der zunehmenden- Gewinnerzielung in der Biologie". Plötzlich werden ethische Fragen virulent und die Genforschung steht vor der bisher unlösbaren Aufgabe, "der Freiheit genetischer Neuschöpfungen unserer eigenen Spezies geeignete Grenzen zu setzen". Schon geht es um die Frage:
So tief schürfen moralische Fragen im Journalismus nicht, wie die Beispiele zeigen. Wenn etwa über eine Redakteurin berichtet wird, die hoch geschätzte Kommentare mit selbst erfundenen Quellen und Beweisangaben anreicherte, ehe sie - durchaus nicht von allen verurteilt- gefeuert wurde. Die moralische Dimension wird in diesem Beispiel, und deshalb ist es so einleuchtend, durch nichts überlagert. Aber darum geht es: Was sind mir meine eigenen moralischen Maßstäbe, was sind mir meine Werte wert?
Diese persönliche Entscheidung für die notwendige Moral erinnert an den deutschen Unternehmer Philip Rosenthal, der einmal gesagt hat," Moral in eigener Sache ist sauschwer:"
"Nur sehr wenige Menschen haben die Stärke, in der Organisation, der sie angehören, gegen den Strom zu schwimmen", haben die Autoren von "Good Work" erkannt. Deshalb möchten sie die "gute Arbeit" durch neue oder die Unterstützung vorhandener Institutionen kräftigen. Obwohl sie wissen, wie zwiespältig der Einsatz zusätzlicher Kontrollmechanismen zu werten ist. Deshalb wollen sie Mut machen, zur eigenen persönlichen Verantwortung zu stehen und zitieren die Anthropologin Margaret Mead: "Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe entschlossener Menschen die Welt verändern kann." Das gilt auch für Genforscher und selbst für Journalisten.

Good Work - für eine neue Ethik im Beruf Howard Gardner, Mihaly Csikszentmihalyi, William Damon Klett-Cotta 2005, 440 S., 22,50 Euro, ISBN 3608940707.
  • Aus der FTD vom 06.07.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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