Böse Menschen kennen keine Lieder, und traurige keinen Konsum. Kaufrausch macht glücklich, manchmal auch süchtig. Shopping sorgt für die nötige Dosis an Glückshormonen. Kaufen ist gut für die Seele und gelegentlich fast schon Religionsersatz. "Der Konsumismus ist der wirksamste Versuch der ‚Wiederverzauberung‘ einer profanen Welt", meinen Alexander Meschnig, studierter Psychologe und Pädagoge, und der Soziologe Mathias Stuhr in "Wunschlos unglücklich".
Die Ideologie des Konsumismus aber ist schrecklich paradox. Das ist der Ausgangspunkt für die Argumentation in ihrem anregenden und klugen, über weite Passagen nachdenklich stimmenden Buch, in dem sie etwas maßlos verkünden, "alles über Konsum" auszubreiten. Denn Konsumieren funktioniert nur, wenn permanent im Überfluss des Warenangebots Mangel erzeugt wird. Und zwar immer wieder. Und immer wieder neu. Durch Theatralisierung, Eventmarketing, Kultbildung und Fetischaufwertung von Logo und Marke. Politisch ist Konsum überdies - als Boykott bestimmter Firmen.
Als größtes Problem in Deutschland machen Meschnig und Stuhr nicht Massenarbeitslosigkeit oder Hartz IV aus, sondern die Unlust zum Konsum. Sich den "Luxus des Notwendigen", wie das einmal der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger nannte, nicht mehr leisten zu können, weder heute noch in absehbarer Zeit, bildet eine unüberwindliche mentale Kaufbarriere. Doch ohne Konsum kein Aufschwung. Ohne Aufschwung kein Optimismus. Ohne Optimismus kein Konsum.
Vom Konsumverhalten der USA sind Börsen genauso abhängig wie Realstaaten. Im Jahr 2003 haben die Amerikaner für 7700 Mrd. $ eingekauft, zumeist auf Kredit. Der Erfolg deutscher Exporteure hängt so maßgeblich von der Unvernunft nordamerikanischer Verbraucher ab. Ansonsten wären wirklich alle wunschlos unglücklich.