Heute ist die Brille wirklich nötig, Bräune und Toupet sind weg. Schneider ist 74 Jahre alt, ein einfaches Gesicht passt besser zu dem, was er jetzt sein will: nennen wir es mal graue Eminenz. Einer, der vorgibt, seinen Frieden gemacht zu haben mit seinem Scheitern und denen, die ihm übel mitgespielt haben ("Ich bin doch keinem böse. Ich hab das hinter mir."), der sich noch gern ab und an seine verflossenen Besitztümer ansieht, einfach so aus Liebhaberei ("Ich guck mir meine Häuser immer an, und ich reg mich immer auf, wenn da irgendwo Zigarettenkippen rumliegen. Ich kann das nicht sehen."). Einer, der sich weniger um sich selbst als um das große Ganze sorgt. Und der weiß, wovon er da spricht.
Jeden Tag verfolge er die Nachrichten zur Finanzkrise, erzählt er, in den Zeitungen, im Fernsehen, im Internet, "ganz bange" sei ihm um die Wirtschaft, um Deutschland. "Was jetzt passiert, um Gottes willen!" Es sei Zeit für neue Gesetze, sagt er, "das System" müsse sich verändern. "Ich sage mit tiefster Überzeugung: So blöd ist keiner dieser Bankvorstände, dass er nicht genau gewusst hat, was für Dummheiten er macht. Diese Menschen müssen zur Verantwortung gezogen werden." Nein, nein, es gehe ihm nicht um Rache, warum auch. Es gehe ihm um "das System", "dass sich die Fehler nie mehr wiederholen".
Aber schnell ist er dann doch wieder bei sich. Beim Fall Schneider. Bei seinem Immobilienimperium, finanziert mit Milliardenkrediten, das mehr und mehr an Bodenhaftung verlor und schließlich Mitte der 90er-Jahre zusammenkrachte zu einem gigantischen Schutthaufen von 5,4 Mrd. DM Schulden, auf dem 50 Banken am Ende sitzen blieben. Schneiders Rechnung ist einfach: "Was die Banker in meinem Fall nicht sehen wollten, das wollten sie bei den Häuschen der Amerikaner auch nicht sehen. Und das ist die Ursache für den ganzen Mist." So sieht er das.