Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (M.) zeigt auf der Grünen Woche an einem Metzgerstand ihre Fingerfertigkeit
Das berühmte Weltwirtschaftsforum in der Schweiz als Maßstab für die Grüne Woche - das ist gewagt. Aber die Bayerin mit dem Wahlkreis Starnberg hat sich schon immer viel getraut: Gelernt hat sie Radio- und Fernsehtechnik, dann entwickelte sie Systemelektrik für Hubschrauber - kein Frauenberuf. Und keiner, bei dem man melken lernt, das Basiswissen für Agrarminister.
Ihren Vorgänger, den jetzigen CSU-Parteichef Horst Seehofer, der sie nach seinem Wechsel nach München für den Job in Berlin auswählte, ficht das nicht an. Von Verbraucherschutz und Agrarwirtschaft hatte er bei seinem Antritt 2005 auch wenig Ahnung, das kann man lernen. Nicht lernen kann man hingegen, eine junge Frau zu sein, die andere Frauen animiert, die CSU zu wählen.
Immerhin war Aigner im Bundestag vier Jahre Berichterstatterin für den Etat des Landwirtschaftsministeriums im Haushaltsausschuss. Den Rest lernt sie dank des Aufgabenpakets, das Seehofer der Vorzeigefrau hinterließ. Knapp zwei Wochen nach dem Antritt musste Aigner in Brüssel komplizierte Agrarbeschlüsse fassen und seither den Milchfonds diskutieren.
Und jetzt die Grüne Woche, der öffentliche Spießrutenlauf. Aigner, der Bodenhaftung nachgesagt wird, meidet die Radieschensuppe, stellt keine Fragen und hört zu. Später aber muss sie antworten: Nein, am Hunger in der Welt sei nicht Europa schuld. Ja, wo Frischmilch draufstehe, müsse welche drin sein. Und Steuersenkungen gebe es auch für Bauern. "Wie ich mir mein Amt vorstelle? Nicht die ruhige Hand und nicht die hektische Aktion, sondern jeweils angemessen", sagt Aigner. Genau wie in Davos.