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Merken   Drucken   15.01.2009, 20:28 Schriftgröße: AAA

Aigner auf der Grünen Woche: Jetzt geht's um die Wurst

Dossier CSU-Landwirtschaftsministerin Aigner will die Grüne Woche in Berlin in ein globales Gipfeltreffen für die Agrarpolitik verwandeln - und sich selbst von einer einstigen Hinterbänklerin in eine Politikerin von Welt. von Maike Rademaker (Berlin)
So weißrosa und glitschig, wie die Wurst aus der Maschine quillt, sieht sie nicht sehr appetitlich aus. Aber die Frau in dem dunklen Businesskostüm verzieht nicht das Gesicht, sondern greift mit beiden Händen beherzt zu: Einmal links drehen, einmal rechts, schon hat die Wurst zwei Enden. Ilse Aigner, Bundeslandwirtschaftsministerin, lächelt erleichtert - Wursttest bestanden.
Die Wurst ist keine normale Wurst, sondern eine "funktionale Weißwurst mit Schwarzwurzeln und Kartoffelgranulat". Und die CSU-Politikerin Ilse Aigner will auch nicht nur die normale deutsche Landwirtschaftsministerin sein, getrieben von Bauernverband und Ernährungswirtschaft. Ihr schwebt eher das Image der internationalen Agrarpolitikerin vor.
"Davos der Landwirtschaft "
Also setzt die mit 44 Jahren jüngste Ministerin im Kabinett am Donnerstag bei der Eröffnung der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin die erste eigene politische Duftmarke: "Ich möchte die weltgrößte Ernährungsmesse zu so was wie dem Davos der Landwirtschaft machen", sagt sie. Auf ihre Einladung hin treffen sich am Samstag 30 Agrarminister aus aller Welt, darunter die aus China, Russland und Brasilien, um die Sicherung der Welternährung zu diskutieren. Und mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin will sich Aigner auch treffen - immerhin ist dessen Staat der wichtigste Importeur deutscher Landwirtschaftsprodukte.
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (M.) zeigt auf der Grünen ...   Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (M.) zeigt auf der Grünen Woche an einem Metzgerstand ihre Fingerfertigkeit
Das berühmte Weltwirtschaftsforum in der Schweiz als Maßstab für die Grüne Woche - das ist gewagt. Aber die Bayerin mit dem Wahlkreis Starnberg hat sich schon immer viel getraut: Gelernt hat sie Radio- und Fernsehtechnik, dann entwickelte sie Systemelektrik für Hubschrauber - kein Frauenberuf. Und keiner, bei dem man melken lernt, das Basiswissen für Agrarminister.
Ihren Vorgänger, den jetzigen CSU-Parteichef Horst Seehofer, der sie nach seinem Wechsel nach München für den Job in Berlin auswählte, ficht das nicht an. Von Verbraucherschutz und Agrarwirtschaft hatte er bei seinem Antritt 2005 auch wenig Ahnung, das kann man lernen. Nicht lernen kann man hingegen, eine junge Frau zu sein, die andere Frauen animiert, die CSU zu wählen.
Immerhin war Aigner im Bundestag vier Jahre Berichterstatterin für den Etat des Landwirtschaftsministeriums im Haushaltsausschuss. Den Rest lernt sie dank des Aufgabenpakets, das Seehofer der Vorzeigefrau hinterließ. Knapp zwei Wochen nach dem Antritt musste Aigner in Brüssel komplizierte Agrarbeschlüsse fassen und seither den Milchfonds diskutieren.
Und jetzt die Grüne Woche, der öffentliche Spießrutenlauf. Aigner, der Bodenhaftung nachgesagt wird, meidet die Radieschensuppe, stellt keine Fragen und hört zu. Später aber muss sie antworten: Nein, am Hunger in der Welt sei nicht Europa schuld. Ja, wo Frischmilch draufstehe, müsse welche drin sein. Und Steuersenkungen gebe es auch für Bauern. "Wie ich mir mein Amt vorstelle? Nicht die ruhige Hand und nicht die hektische Aktion, sondern jeweils angemessen", sagt Aigner. Genau wie in Davos.
  • Aus der FTD vom 16.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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