Mit dem Abgang von DocMorris-Gründer Ralf Däinghaus verliert der Celesio-Konzern eine ebenso schillernde wie polarisierende Führungskraft. Schon Ende nächster Woche wird der 43-Jährige seinen Posten räumen, "weil er seine Aufgaben im Unternehmen als erfüllt ansieht". von Michael Carlin (Hamburg)
Der bisher öffentlich wenig zurückhaltende Däinghaus selbst schwieg. Der Pharmahändler Celesio hatte die größte Versandapotheke Europas 2007 zum Schrecken der deutschen Apotheker gekauft - und dabei auf eine Öffnung des deutschen Apothekenmarkts spekuliert. Im Mai aber musste das zum Haniel-Konzern gehörende Unternehmen nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Fremdbesitzverbot seine Pläne zum Aufbau einer Ladenkette begraben.
Seitdem kann Celesio mit DocMorris nur das alte Konzept beibehalten, um sich im Apothekenmarkt zu etablieren: sogenannte Markenpartnerschaften, eine Art Franchisemodell. Damit treten die bis heute rund 150 Filialen zwar einheitlich auf. Auf die entscheidenden Faktoren wie Sortiment und Preisgestaltung kann der Konzern jedoch keinen Einfluss nehmen.
Dennoch betrachtet Celesio-Chef Fritz Oesterle das Apothekengeschäft als zukunftsträchtig. "Versandhandel und Markenpartnerschaften werden wir konsequent weiterentwickeln und ausbauen", sagte er am Donnerstag nachdem Däinghaus die Mitarbeiter am niederländischen DocMorris-Sitz in Heerlen informiert hatte.
Der Bad Guy der Apotheker: DocMorris-Chef Ralf Däinghaus
Dass er sich einige Zeit nach einer Übernahme zurückziehen werde, hatte der DocMorris-Gründer bereits vor Jahren angedeutet. Nun kommt sein Rückzug jedoch auffallend rasch nach dem Scheitern des Kettenkonzepts. Einen Zusammenhang wies eine Sprecherin allerdings zurück. "Der Ausstieg war langfristig geplant", sagte sie. Die operative Führung für den Versand und das Vor-Ort-Geschäft sei bereits seit Längerem Schritt für Schritt übergeben worden.
Seit rund einem Jahr leitet der ehemalige Otto- und Quelle-Manager Olaf Heinrich das Versandgeschäft. Den Apotheker und Ex-Vorstandsassistenten bei Celesio Thomas von Künsberg Sarre hatte DocMorris erst am Mittwoch als neuen Verantwortlichen für die Markenpartnerschaften präsentiert.
Über seine persönliche Zukunft schweigt sich Däinghaus bisher aus. Der vor allem als Marketinggenie und Selbstdarsteller bekannte Manager will "sich künftig wieder verstärkt eigenen unternehmerischen Ideen widmen", ließ er am Donnerstag verbreiten. Denkbar ist dabei auch, dass er versuchen wird, einen anderen Wirtschaftszweig aufzumischen. Auch in den Apothekenmarkt war der Wegbereiter des Versandhandels mit Medikamenten als Branchenneuling vorgestoßen.
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