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Merken   Drucken   01.09.2009, 11:30 Schriftgröße: AAA

Arcandor-Chef im Porträt: Eick, der gescheiterte Anti-Middelhoff

Er wollte retten, was nicht zu retten war. Um sein Ziel zu erreichen, den Konzern als Ganzes zu erhalten, hätte es eines Wunders bedurft. Doch darauf wartete Karl-Gerhard Eick vergeblich. Eine Nahaufnahme des Mannes, der gern ein Held wäre. von Lorenz Wagner
Gerade ist Karl-Gerhard Eick ins Büro gekommen, gerade noch war er guter Laune. Nun springt alle Minute die Tür auf, ein Wirtschaftsprüfer legt Zahlen vor, ein Berater von Roland Berger hat eine Frage, dann ein Anruf vom Insolvenzverwalter, Krisengespräche, es summen das Handy und die beiden Blackberrys, und die Sekretärin erinnert an das Treffen mit dem Betriebsrat. "Ja-ja-ja", Eick gräbt das Gesicht in die Hände. Für eine Sekunde ist die Welt in der Stille.
Kaum im Amt, muss er den Staat um Geld bitten
Hinter ihm, an der Wand, ein Bild. Das Blatt eines Notizblocks der Bank Sal. Oppenheim. Eick hat es rahmen lassen, mit übergroßem Passepartout. Krise steht darauf, darunter sind zwei Schriftzeichen. Ein Chinese hat sie aufgemalt, ein Einkäufer von Karstadt, mit dem Eick über den täglichen Wahnsinn gesprochen hat. Im Chinesischen, hatte der ihm erklärt, gibt es zwei Zeichen für das Wort Krise. Eines bedeutet Gefahr, eines Chance.
Karl-Gerhard Eick wendet sich per Megafon an seine Mitarbeiter   Karl-Gerhard Eick wendet sich per Megafon an seine Mitarbeiter
Karl-Gerhard Eick ist dazu verdammt, die Chance zu nutzen. Vor einigen Monaten noch war er ein Mann von bestem Ruf, Finanzvorstand der Deutschen Telekom. Dann ging er zu Arcandor, der Mutter von Karstadt und Quelle. Kaum im Amt, musste er den Staat um Geld bitten. Und der sagte Nein.
Seit Juni sind die großen Namen der deutschen Wirtschaft pleite. Und er, der keine Schuld an ihrem Absturz trägt, geht als ihr Totengräber in die Geschichte ein. Es sei denn, er schafft ein Wunder. Gibt es sie wirklich, die Chance? Eick hat den spannendsten Job des Jahres.
Der Unverstandene - Karl-Gerhard Eick
Der heutige Arcandor-Chef startet seine Karriere als Trainee bei BMW. Es folgen Stationen beim Mischkonzern Haniel und beim Pharmahändler Gehe. Im Jahr 2000 wird Karl-Gerhard Eick Finanzvorstand der Deutschen Telekom. Der Traum vom Vorstandsvorsitz bleibt unerfüllt, im März 2009 wechselt Eick als Sanierer zu Arcandor, kann die Pleite aber nicht verhindern. Er führt weiter die Geschäfte, muss sich seine Pläne aber vom Insolvenzverwalter genehmigen lassen.
Spaß macht der nicht an diesem Julitag. Eigentlich wollte Eick Vertraute treffen, das große Ganze besprechen, den Plan für die nächsten Monate. Doch nun hängt er in seinem Essener Büro fest, ein Glaskasten mit Blick auf Gestrüpp und Kraftwerke, und er muss mal wieder das Chaos verwalten. Quelle kann den Katalog nicht bezahlen. Ein Kollege ruft an. "Du hast also, auf Schwäbisch gesagt, Lustverlust", sagt Eick. "Ich auch. Aber es nützt ja nichts." Hinwerfen geht nicht.
Gefunden bei capital.de   Gefunden bei capital.de
Bekannte, Freunde – immer wieder stellen sie die beiden gleichen Fragen. Warum bist du da hin? Und warum tust du dir das weiter an? Seit Monaten versucht er, Antworten zu geben, und doch kann es keiner verstehen.
Eick wird schon ganz albern, wenn ihm diese Fragen mal wieder entgegenspringen. "Das versteht bis heute keiner. Ha! Ich kann erklären, was ich will, das versteht keiner. Haha!" Pause. "Ich geb’s jetzt auch auf. Wenn die Leute sagen, der Eick ist bescheuert, dann ist es eben so."

Teil 2: Von der sicheren Telekom zum Risiko-Konzern

  • capital.de, 01.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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