Schröder solle bei dem krisengeschüttelten Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit zwei weiteren neuen Mitgliedern des Direktoriums in Pattsituationen zwischen den Eigentümern vermitteln, teilte BP am Donnerstag mit.
Der Altkanzler genießt in Russland hohes Ansehen. Dem 64-Jährigen werden auch exzellente Kontakte zu Ministerpräsident Wladimir Putin nachgesagt. Zudem hat er bereits Erfahrungen in der russischen Energiewirtschaft gesammelt. Der Altkanzler fungiert als Aufsichtsratsvorsitzender bei der Betreibergesellschaft der geplanten Ostseepipeline Nord Stream, die vom russischen Staatskonzern Gazprom kontrolliert wird. Schröder sagte am Donnerstag, der Erfolg von TNK-BP werde "einen wichtigen Beitrag zu Russlands Integration in die Weltwirtschaft leisten".
Mit der Berufung der drei neuen Aufsichtsräte erhofft sich der Konzern das Ende eines lange schwelenden internen Streits. Zwischen den Eigentümern von TNK-BP war im vergangenen Jahr ein heftiger Konflikt um die künftige Strategie des Unternehmens entbrannt. Der drittgrößte russische Ölförderer gehört jeweils zur Hälfte dem britischen Ölkonzern BP und der russischen AAR Holding. Im Dezember musste der langjährige TNK-BP-Chef Robert Dudley offiziell seinen Posten räumen, nachdem er bereits im Sommer das Land verlassen hatte. Die russischen Miteigentümer hatten Dudley vorgeworfen, einseitig die Interessen des britischen Mutterkonzerns zu verfolgen, und erzwangen seine Ablösung mithilfe der russischen Behörden, die wiederholt Büros von TNK-BP in Moskau durchsuchten und Dudleys Visum nicht verlängerten. Die Briten hatten den Russen daraufhin vorgeworfen, "sich wie Gangster zu benehmen".
Durch die Vertreibung Dudleys hätten die russischen Aktionäre ihr Ziel erreicht und im Energiekonzern die Oberhand gewonnen, sagte Pawel Sorokin, Ölanalyst der Investmentbank Unicredit Aton in Moskau. "Das Unternehmen kann nun ungestört expandieren." Schröder und die zwei weiteren unabhängigen Aufsichtsräte sollen verhindern, dass der Streit erneut aufflammt. "Ihre Rolle wird es sein zu vermitteln", sagte Sorokin. BP-Chef Tony Hayward begrüßte die neue Führungsstruktur. Schröders enge Beziehungen zu Russland und seine politischen Erfahrungen würden dem Land und beiden Eigentümern nützen.
Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Dudleys als Vorstandsvorsitzender gilt derzeit Denis Morosow. Der 35-Jährige war für kurze Zeit Chef von Russlands größtem Bergbaukonzern Norilsk Nickel. Morosow hat bislang keinerlei Erfahrungen in der Ölbranche gesammelt, gilt aber immerhin als ein moderner Manager, der die internationalen Gepflogenheiten respektiert.