Jan Eric Kvarnström war von 1992 bis 1997 Chef der schwedischen Abwicklungsbank Securum
Denn seit einigen Wochen wird gestritten, kursiert dieses lustige Wort: Bad Bank. Das soll nun die Rettung sein, ein Institut, in das die ganzen faulen Papiere sollen, dieser Giftmüll, der uns seit Monaten in Atem hält und die Bilanzen versaut. Eine Art Gorleben für Derivate.
Die Banker sind natürlich dafür, vorneweg
Josef Ackermann , auch wenn er betont, dass sein Institut keine Bad Bank brauche. Endlich das Zeug loswerden, damit man wieder loslegen kann. "Die Bad Bank wird kommen", raunen Investmentbanker. Wird sie das?
BaFin-Aufseher Jochen Sanio ist dagegen, Gerhard Stratthaus vom Rettungsfonds Soffin dafür. Die Politik wehrt sich noch offiziell: "Ich bleibe dabei: Es wird eine nationale Bad Bank nicht geben", versichert Finanzminister Peer Steinbrück. Sie würde 200 Mrd. Euro kosten!
Alle aber, ob dafür oder dagegen, reden über Schweden, die haben das doch hinbekommen, die Schweden, in den 90er-Jahren.
Und einer der Köpfe dieses Modells ist Jan Eric Kvarnström, der von 1992 bis 1997 Chef von Securum war, einer Bad Bank in Schweden. Ein Mann mit leiser Stimme, ruhig, unprätentiös, der gerne mal seinen Schlips vergisst und seinen Namen in der Vita JEK abkürzt. Klingt groß, aber nichts Großspuriges ist in seinen Zügen, nicht das, was die Deutschen mit Bankern verbinden.
Kvarnström sitzt in seinem Büro in Hamburg, im feinen Harvestehude, er ist gerade umgezogen, noch stapeln sich Kartons, Handwerker hämmern, die Regale sind halbleer.
Mit vier Partnern hat er sich zusammengetan, sie haben das Beratungsunternehmen ERC gegründet. Spezialität, na klar: Bad Banks.
So kryptisch die Worte von Celan an der Wand sind, so klar redet Kvarnström. Er strukturiert Argumente wie faule Kredite. "Die Debatte läuft derzeit durcheinander", sagt er. "Jeder meint etwas anderes und verfolgt andere Ziele." Es geht eben nicht um eine große Deponie, kein Gorleben. "Zuerst muss man definieren: Was ist die ,Good Bank‘?" Welche Geschäfte sind gesund, und haben sie eine Zukunft? Was soll und muss weitergeführt werden? "Nur, wenn die Good Bank eine Zukunft hat, ergibt eine Bad Bank Sinn. Als Zweites kommt die Frage: Was soll nicht weitergeführt werden?" Jede Bank, die in Schieflage ist, braucht also eine eigene Bad Bank. Gewinne und Verluste bleiben beim Eigner, bei staatlichen Instituten liegen sie beim Steuerzahler, bei privaten tragen sie die Aktionäre.
Natürlich ist es ein Nachteil, wenn die Abwickler im Haus sind - weil alles in der Bilanz bleibt. "Doch es ist mein bevorzugter Weg", sagt Kvarnström. "Eine Inhouse-Lösung geht viel schneller als die Gründung einer externen Bad Bank. Die Einheit kann später immer noch abgespalten werden." Kvarnström ist beide Wege gegangen. Securum war eine externe Lösung. Bei der Dresdner Bank, wo er ab 2002 über 35 Mrd. Euro restrukturierte, abwickelte und verkaufte, war er intern (siehe Kasten). Schon damals verkündete er: "Die anderen sollen sich genau anschauen, was wir hier machen."
Beide Fälle sind recht unterschiedlich, das Vorgehen aber war ähnlich. Wenn Kvarnström es auf Englisch sagt, das er immer noch vorzieht, klingt es so einfach: "You get a grip on the assets, get them in good shape and have them ready for sale." Okay. Und wann wird verkauft?
"Das ist natürlich eine Glücksfrage. Es muss einen Markt geben. Deshalb braucht eine Bad Bank Zeit." Die wichtigste Aufgabe nach der Gründung eines solchen Instituts: Stabilisiere den Markt. "Die Bad Bank darf nicht gezwungen sein, die Papiere und Assets zu verramschen." Securum zum Beispiel war auf 15 Jahre angelegt, am Ende brauchte man fünf Jahre. Im Fall Schwedens war das Portfolio so gigantisch wie bizarr. In einem Kaufrausch hatten sich schwedische Anleger, nachdem der Kreditmarkt Ende der 80er liberalisiert worden war, rund um den Globus engagiert. Immobilien, Schiffe, Hotels, Büros, Ferienklubs. Dann brach 1990 die Wirtschaft ein, mit ihr die Immobilienpreise. Schwedens Banken standen am Abgrund.
Darunter Nordbanken, die zweitgrößte. "Wir haben die Notlagen der Banken Fall für Fall behandelt", erinnert sich Bo Lundgren, damals stellvertretender Finanzminister.
Die Regierung verstaatlichte Nordbanken, schuf die Auffanggesellschaft Securum, pumpte viele Milliarden schwedische Kronen rein. Kvarnström und seine Leute - in der Spitze waren sie rund 500 - fanden ein Gewirr und Geflecht von Vermögenswerten, kleinen und großen Unternehmen, rund 2500 Immobilien im In- und Ausland.
Darunter: die britische Botschaft in Myanmar, eine Luftchartergesellschaft in Simbabwe, ein Skigebiet in den USA, Einkaufszentren in den Fußgängerzonen von Pinneberg, Köln und Bottrop. Das schönste Stück: eine Gitarrensammlung der Beatles. Aber wie gesagt: Es ging nicht ums reine Abwickeln und Verramschen. Securum gründete Tochtergesellschaften, für Immobilien, Hotels und Touristik, die verkauft oder sogar an die Börse gebracht wurden.