Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis
Doch weil Thain eben Thain ist und allen voran ein blendender Verkäufer seiner selbst, jubelte er die Notoperation am Montag erst einmal hoch: Durch den Zusammenschluss beider Unternehmen entstehe nicht weniger als die "führende Finanzinstitution in der Welt" - darauf muss man erst einmal kommen. Bis spätestens März 2009 soll die Übernahme gewuppt sein.
Den Preis von 50 Mrd. $ zahlt das eher bieder daherkommende Institut aus Charlotte im Bundesstaat North Carolina in Aktien, Bargeld fließt keines. Bereits im Juli soll sie vergeblich bei Merrill Lynch angeklopft haben, nun wurde ihr Ruf erhört. Vor allem Lewis muss sich daher fühlen wie die Landpomeranze, die es endlich geschafft hat in der großen Stadt. "Ich will, dass die Leute rotsehen, wo immer sie sich umdrehen!", soll er einst mit Blick auf die Farbe des Logos seiner Bank gesagt haben - damals, als sie nicht eine einzige Filiale in Manhattan unterhielt. Heute sind es fast 50 und rund 100 in ganz New York.
Dass es Lewis ernst meint mit seinem Streben nach Größe, muss als Erstes seiner Mutter aufgefallen sein. In einem Interview erwähnte die Ex-Krankenschwester Brydine Lewis, dass ihr Steppke schon 1969, als er beim Bank-of-America-Vorgänger NCNB in die Lehre ging, nur ein Ziel gekannt habe: Präsident der Bank zu werden. Dass es schließlich sogar der viel wichtigere Posten des Vorstandschefs wurde, war Mama Brydine dann auch recht.
Die notwendige Durchschlagskraft für so einen Job bringt "Amerikas Banker des Jahres 2001" selbstredend auch mit. Als schon zu Beginn seiner Amtszeit Mitarbeiter über Lewis' Schwenk in Richtung Investmentbanking nörgelten, zog er seinen Kurs einfach durch. Seit 2004 hat er sage und schreibe 100 Mrd. $ für Übernahmen ausgegeben - und diese Summe seit Sonntag locker um schlappe 50 Prozent erhöht.