Barney Frank
Doch als sie Ende März kurz vor dem G20-Gipfel mit vier Ausschusskollegen nach Washington kam, erlebte sie eine herbe Überraschung. Das Treffen mit Frank verlief in freundschaftlicher Atmosphäre - kurz danach aber fand sie eine E-Mail mit seiner Unterschrift: Die Europäer möchten doch bitte nicht vorpreschen bei der Regulierung ihrer Finanzmärkte, hieß es da. Die USA wollten verhindern, dass die EU bei der Regulierung von Hedge-Fonds und der Registrierung von Ratingagenturen Tatsachen schaffe, bevor man in Washington so weit sei, sagt Berès. Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy, mit dem sie sonst selten auf einer Wellenlänge ist, formulierte sie eine Replik. Über Frank hat sie dabei etwas gelernt: "Er ist ein Amerikaner."
Noch dazu ist der 68-Jährige ein Amerikaner auf der Höhe seiner Macht. Aktuell fordert er mit mehreren Kongresspolitikern Gelder aus dem für Banken gedachten Troubled Asset Relief Program (Tarp) für angeschlagene Bundesstaaten. Außerdem will Frank ein Gesetz durchpauken, wonach die Notenbank den Markt für Kommunalanleihen stützen soll. Das würde es Staaten und Kommunen erleichtern, Geld zu beschaffen.
Unauffällig war Frank nie in seinen mehr als 27 Jahren im Kongress - aber eher aus den Gründen, die zum Titel eines Buches über ihn geführt haben, das im Herbst erscheinen soll: "Barney Frank: Die Geschichte von Amerikas einzigem linkshändigen, schwulen, jüdischen Kongressabgeordneten". Frank hatte sich 1987 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. 1989 machte er als Gönner eines Callboys Schlagzeilen, der sich bei den Behörden dafür einsetzte, seinem Schützling die Strafzettel für Falschparken zu erlassen. Sein Kampf gegen Bill Clintons Amtsenthebung als Präsident wegen des Skandals um Monica Lewinsky wurde verfilmt.