"Einen Concorde-Anhänger am Aktenkoffer zu haben - das galt bei Mars als Mutprobe", erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter der deutschen Niederlassung in Verden.
John F. Mars gilt als sparsam, ja geradezu knauserig. Wenn der Enkel des Schokoriegelerfinders selbst über den großen Teich fliegt, dann sitzt er in der dicht gedrängten Economy-Class. Am Flughafen mietet er sich den kleinsten Leihwagen, übernachtet in günstigen Hotels. Seine Mitarbeiter bekommen den selbst verordneten Sparzwang des Chefs allerdings kaum zu spüren. Mars gilt in der Konsumgüterbranche als eine der besten Schmieden für den Managementnachwuchs - und als einer der großzügigsten Arbeitgeber, wenn es ums Gehalt geht. Hält es die Manager trotz hohen Salärs nicht bei Mars, sitzen sie häufig wenig später in den Topetagen der Konkurrenz.
Der Mars-Clan hat sein Vermögen zulasten der adipösen amerikanischen Gesellschaft auf Kalorien aufgebaut. Schon seit Jahren zählt die Familie zu den reichsten der Welt. John F., sein fünf Jahre älterer Bruder Forrest Edward jr. und seine fünf Jahre jüngere Schwester Jacqueline teilen sich laut Forbes-Liste den 46. Platz der reichsten Menschen der Welt. Jeder hält gleich viel am Konzern. Geschätztes Vermögen pro Kopf: 14 Mrd. $.
Die Familie ist dabei extrem öffentlichkeitsscheu. Von John Franklin und seinem Bruder Forrest jr. existiert nicht ein einziges Foto. Selbst in Arlington County, ihrem Wohnsitz im beschaulichen Virginia, kennt man sie kaum. Sie meiden große Auftritte, halten ihr Privatleben geheim. An der Eliteuniversität Yale haben die drei Geschwister wie schon ihr Vater und auch ihre Kinder studiert, das ist bekannt. Ansonsten taucht nur Jacqueline, die viertreichste Frau der USA, hin und wieder auf Wohltätigkeitsveranstaltungen auf.
Dabei verkörpert der Clan den amerikanischen Traum: Binnen drei Generationen haben es die Nachfahren niederländischer Einwanderer geschafft, aus einer kleinen Konditorei einen der weltgrößten Markenhersteller zu formen. Firmengründer Frank C. Mars begann mit 400 $ und einer genialen Idee: 1923 kombinierte er Pralinen mit einer Schokoladentafel und Karamell und formte daraus einen Riegel. Er gab ihm schlicht und einfach seinen Namen: Mars. Der Grundstein für den Weltkonzern ist gelegt.
In den 30ern siedelt Forrest, der Sohn des Gründers, nach England über und versorgt fortan Europa mit den kalorienreichen Riegeln. 1935 kauft er Chappel Brothers - besser bekannt als Chappie. Das Tierfutter wird zum zweiten Standbein des Konzerns, Getränke und Lebensmittel kommen später hinzu.
Mit dem Kauf des US-Kaugummiherstellers
Wrigley hat es die dritte Generation nun endgültig geschafft: Aus der Konditorei im Westen der USA ist der weltgrößte Süßwarenhersteller geworden.