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Merken   Drucken   10.11.2008, 10:39 Schriftgröße: AAA

Debatte um Managergehälter: Wiedeking, der neue Buhmann

Wendelin Wiedekings Erfolg mit Porsche hat dem Firmenchef ein Rekordsalär beschert. Die Rezession macht ihn zum Lieblingsfeind der Kapitalismuskritiker. von Kristina Spiller
Josef Ackermann  kann sich entspannen. Wochenlang musste der Deutsche-Bank-Chef herbe Kritik, Anfeindungen, gar Morddrohungen aushalten. Seine Bemerkung, er würde sich schämen, Staatsgelder anzunehmen, stieß vielen Krisengeplagten als Hochmut auf. Nun bietet die Wirtschaft den Kapitalismuskritikern einen neuen Buhmann: Wendelin Wiedeking . Rund 80 Mio. Euro hat der Porsche -Chef im letzten Geschäftsjahr verdient - Ackermann erscheint da mit seinen 14 Mio. Euro kaum noch erwähnenswert.
Schon früher hatte Wiedekings Gehalt die Gemüter erhitzt, in der jetzigen Auto- und Wirtschaftskrise erwarten Branchenkenner eine neue Zornesflut. "Das gießt mit Sicherheit in der jetzigen Situation Öl ins Feuer der Kritiker", sagt ein Manager. Schon jetzt steht der 56-Jährige bei IG Metallern wegen der Machtübernahme bei Volkswagen  am Pranger.
Über Wendelin Wiedeking könnte eine neue Zornesflut hereinbrechen   Über Wendelin Wiedeking könnte eine neue Zornesflut hereinbrechen
Da hilft kaum mehr, dass Wiedeking Porsche erst den Erfolg brachte, der ihm nun den dafür vereinbarten Verdienst beschert. Mit seinem Privatvermögen haftete er einst in Porsches Krisenzeiten für eine Kapitalerhöhung, ohne die das Unternehmen längst keine Autos mehr bauen würde. Dafür beteiligten ihn die Firmeneigner am Vorsteuergewinn - mit 0,9 Prozent, wie es heißt.
Nun floriert Porsche. Der Vorsteuergewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg von 5,9 auf 8,6 Mrd. Euro - höher als die 7,5 Mrd. Euro Erlös. Allein Wiedekings Coup, die Beteiligung an Volkswagen, trug 6,8 Mrd. Euro dazu bei. Der vom Porsche-Chef ausgeheckte Einstieg beim Wolfsburger Autokonzern, an dem die Stuttgarter rund 43 Prozent halten, bügelt nun im Unternehmen die Branchenkrise aus. Im Kerngeschäft stagnierte der operative Gewinn bei etwa 1 Mrd. Euro.
"Die Hedge-Fonds bezahlen Wiedeking"
Ein Trost für viele: Es sind die als ultimative Kapitalisten verschrienen Hedge-Fonds, die durch Porsche besonders leiden. Wiedekings Plan, den VW-Anteil auf 75 Prozent aufzustocken, hat den VW-Kurs derart hochgetrieben, das viele Hedge-Fonds zu Notkäufen der VW-Aktie gezwungen sind - sie hatten mit geborgten Aktien auf fallende Kurse gesetzt. Porsche machte durch aufgelöste Aktienoptionen Kasse. "Die Hedge-Fonds bezahlen Wiedeking", sagt ein Banker. "Was für eine Ironie."
Doch wo alle Welt vor der anrollenden Rezession zittert, werden Gewinner eher unbeliebt. Auch Wiedeking muss es geahnt haben. "Verdirbt der Kapitalismus den Charakter?", fragte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Wiedeking antwortete: "Seit dem Sündenfall im Paradies ist der menschliche Charakter ein zweifelhafter. Die viel zitierte Gier ist es, auf die gegenwärtig alle Welt schimpft - nicht zu Unrecht."
  • Aus der FTD vom 10.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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