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07.08.2009, 07:14
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Deutsche Bahn:
Grubes Kampf gegen das System Mehdorn
Im Eiltempo pflanzt Rüdiger Grube - 100 Tage im Amt - dem letzten Großkonzern in Staatsbesitz seine Kultur ein. Nach außen konziliant und bei den Mitarbeitern beliebt, fegt der neue Chef die Führungsetage aus. Angst macht sich breit - vor allem bei den Mehdornianern.
von Leo Klimm und Nikos Späth
Rüdiger Grube fährt gern ganz vorn mit. Bei seinem Amtsantritt hat sich der neue Chef der Deutschen Bahn einen Ausweis ausstellen lassen, der ihm offiziell den Zutritt zur Lokomotive genehmigt. Wenn er den Führerstand besteigt, zeigt er die grüne, eingeschweißte Plastikkarte mit dem roten Streifen und seinem Namen vor.
Dabei würden seine Leute ihren obersten Lokführer sicher auch ohne Berechtigungsschein mitnehmen. Doch der im Mai inthronisierte Nachfolger von Hartmut Mehdorn legt Wert auf solche Gesten. "Seht her, ich bin einer von euch", will er mit dem Ausweis sagen. Mit ihm verschafft er sich Zugang zur Welt seiner Mitarbeiter.
Rüdiger Grube
Grube versucht, sich das Unternehmen Deutsche Bahn von unten zu erschließen. Und anders als der autoritäre und knorrige Mehdorn (Spitzname: Napoleon) gibt sich der 57-jährige Manager als Mann des Volkes. Wo sein Vorgänger nach dem Prinzip von Überwachen und Strafen regierte, möchte Grube seine 240.000 Beschäftigten durch Kommunikation überzeugen.
"Hygiene und Kultur" sind Schlagworte, die der Neue gern bemüht. Seine Moralvorstellungen hängt er so hoch, dass er aufpassen muss, den Konzern nicht zu überfordern. Gerade auf das obere und mittlere Management ist Grube angewiesen. Denn es ist nicht allein entscheidend, ob ihn das Bodenpersonal liebt, sondern vor allem, ob und wie viele der Hundertschaften von Führungskräften er hinter sich schart, die mit ihm den Konzern gestalten sollen. Doch der Steuerungsapparat der Bahn hat Mühe, die 180-Grad-Wende zu vollziehen, die der neue Chef in Führungsfragen verlangt.
Die meisten wissen nach zwölf Wochen unter Grubes Führung noch nicht genau, wo die Reise hingeht. Einige sind geflogen, manche geflohen. Nicht wenige fragen sich, wann für sie das Ende einer Dienstfahrt kommen könnte. Zumal sich die wirtschaftliche Lage bei der Bahn von Monat zu Monat eintrübt.
Nur so viel ist jetzt schon klar: Den Bauernsohn Grube sollte keiner unterschätzen. Sein steiniger Aufstieg in die Chefetage führte ihn über den zweiten Bildungsweg. "Ich habe mich durch alle Ebenen durcharbeiten müssen, angefangen als Facharbeiter", sagt er. "Dabei habe ich gelernt: Die Treppe wird von oben gekehrt, der Fisch fängt immer vom Kopf her an zu stinken."
Teil 2: Grube zieht das Tempo an
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capital.de, 07.08.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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