Norbert Walter, Chef von Deutsche Bank Research
80-Stunden-WocheEinige kritisieren Walter für seine Präsenz, halten ihn für eitel, selbstverliebt. Er aber spricht davon, dass er sich einfach gern "einmischt". "Mich hat von Anfang an die politische Ökonomie gefesselt, nicht die Wissenschaft im Elfenbeinturm." Walter hat in den 60er-Jahren in Frankfurt Volkswirtschaftslehre studiert und danach viele Jahre am Institut für Weltwirtschaft in Kiel gearbeitet. Nur kurz hatte er überlegt, Mathe- und Physiklehrer zu werden. Was er dann aber doch nicht tat, weil er "das nicht ganzen Generationen antun" wollte.
Weniger Mitleid hat er heute mit sich selbst. 250 Nächte im Jahr schlafe er nicht daheim, sagt er. Kundentermine, Vorträge, Dienstreisen. 80 Stunden Arbeit pro Woche. Jedes Jahr im Juli und August reist er nach Asien, trifft Politiker, Zentralbanker, Botschafter, Unternehmer. Da bleibe natürlich auch für seine Frau und die zwei Töchter nicht immer viel Zeit.
Trotzdem sieht sich Walter, der ein leidenschaftlicher Bergsteiger und ein engagierter Katholik ist, nicht als Getriebener - "eher bin ich ein Umtriebiger", sagt er. Aber er weiß auch um die Nachteile. "Wer alles anfasst, wird nicht allem gerecht", sagt er. Und: "Die Zahl der Fehlgriffe ist immer noch hoch." Es sind diese Momente, in denen hinter der öffentlichen Person, hinter der Professionalität des Chefvolkswirten und Medienprofis der Mensch Norbert Walter hervortritt.