Edmund Stoiber
Die 15 Männer und Frauen seiner Gruppe haben einen wohlklingenden Titel und einen anspruchsvollen Auftrag: Unternehmen in der EU sollen bis 2012 um 150 Mrd. Euro entlastet werden - 25 Prozent der Bürokratiekosten. Die Gruppe hat allerdings auch ein Problem: Sie darf nur beraten. Was sie vorschlägt, muss erst der Kommission passen und dann auch noch durch Parlament und Rat gehen.
Bislang hat noch kein bedeutender Vorschlag diese Hürden genommen. Die Widerstände sind enorm: Im vergangenen Herbst stritten Stoiber und Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy um Erleichterungen für Kleinstunternehmen. Am Ende setzte sich der Bayer nur durch, weil er mit Grundsätzlichem drohte: "Wenn das jetzt nicht durchgeht, ist euer Anspruch Makulatur", habe er McCreevy gesagt.
Seit vergangenem Donnerstag liegt ein Kommissionsentwurf vor, der es den Mitgliedsstaaten freistellt, sogenannte Mikrounternehmen von Berichtspflichten zu entbinden. Sicher, man hätte auch alle europäischen Kleinstunternehmen direkt befreien können. Aber in Stoibers Gruppe sitzt auch der Chef des europäischen Verbands der Steuerberater, und der wollte sich nicht selbst abschaffen.
"In Brüssel sitzen alle möglichen Lobbyisten, die ihre Einkommensinteressen auch zulasten der Allgemeinheit sichern wollen", klagt die Speyrer Verwaltungswissenschaftlerin Gisela Färber, Mitglied im Nationalen Normenkontrollrat (NKR), dem deutschen Gremium zum Bürokratieabbau.
Euphorisch klingen Stoibers Kollegen denn auch nicht: "Edmund Stoiber kniet sich rein und nutzt die Möglichkeiten, die er hat", sagt Johannes Ludewig, "spektakuläre Vorschläge gibt es nicht immer." Der Ex-Bahn-Chef ist Vorsitzender des deutschen NKR und Mitglied der Stoiber-Gruppe. Er vermisst eine Systematik bei der Überprüfung. Stoiber und Co. dürfen überhaupt nur ausgewählte bestehende Richtlinien aus 13 Rechtsgebieten betrachten, vier haben sie schon abgearbeitet. Auf die laufende Gesetzgebung haben sie keinen Einfluss. Zwar lässt die Kommission interne Folgeabschätzungen anfertigen. Die gelten aber als so parteiisch, dass durch sie keine Richtlinie zu Fall kommt.